6.4. – 10.4.25

6.4.  Messene

Gestern Abend gab es einen Regenschauer mit Regenbogen. 

Wir treffen alte Bekannte  wieder als wir über die Berge ins Landesinnere fahren.  Die Flaggen zeigen uns den Weg. Überall flattert die weiß-blaue griechische Fahne nach dem Nationalfeiertag.

Und da  ist er wieder – Theodoros Kolokotronis! Diesmal sitzt der griechische Freiheitskämpfer mit Schwert auf einem Pferd.

In der kleinen Kapelle hinter dem Denkmal dekoriere ich für ein Foto ein bisschen um siehe da –  hinter einer Ikone finde ich einen Fünf-Euro-Schein. Ist das hinterlassen worden, weil derjenige den Wunsch hat, das Gott die Kohle vermehret? Vielleicht sollte ich mir die kleinen Gotteshäuser mal genauer anschauen, wer weiß, was ich da noch für Schätze finde.  

Und noch ein Wiedersehen – wir treffen Maria Callas mitten auf einer Kreuzung in  Neochorie ganz  in weißem Mamor.  Ihre Eltern lebten in diesem Ort  bevor sie in die USA  ausgewandert sind und die Callas in New York geboren wurde. 

An unzähligen Olivenhainen und vielen Serpentinen vorbei durchfahren wir das Portal der Stadtmauer von Messene bis zur Ausgrabungsstätte.

Neben dem Parkplatz liegt ein kleiner Friedhof. Von dort aus können wir durch das Fernglas fast den ganzen Fundort sehen. So ein Fernglas ist auf Reisen überhaupt eines der wichtigsten Dinge – bei der Vogelbeobachtung, am Strand –  wo wir hingehen, es ist immer dabei.  Die Friedhofsgräber sind mindestens genauso interessant wie die antiken Ausgrabungen. Auf den Grabplatten stehen die Bilder der Verstorbenen. Meist ist nur ihr erreichtes Alter verzeichnet.  Auf den älteren Mamorgräbern sind verhärmte Frauen mit Kopftuch auf den Fotos zu sehen, während daneben ein stattlicher Ehemann im Anzug abgebildet ist. 

Wir  überlegen uns, ob wir morgen noch in die Fläche gehen, denn eigentlich haben  wir  schon einen sehr guten  Blick von hier oben. Zum Übernachten ist der Parkplatz genau richtig. Vorerst statten wir dem kleinen Museum nebenan einen Besuch ab. Wo die Liebhaber der Antike ins Schwärmen geraten, fehlt mir/uns einfach das Vorstellungsvermögen. Ich erfreue mich lieber an der Vollkommenheit eines Kunstwerkes, und das waren die antiken Stätten früher ganz sicher einmal –  architektonische Kunstwerke. Die zwei winzigen Ausstellungsräume sind ihr Geld nicht wert. Hier gibt es nur Bruch – Stummelfüße, Mamorgesichter ohne Nasen und diverse Torsos. 

Der messenischen Bildhauer Damophon, der 200 v. Chr. seine Schaffenszeit hatte, war auf  Götter und Heldendarstellung spezialisiert. Er wäre wohl sehr traurig,  wenn er das hier sehen würde.  

7.4. Elias Beach

Am nächsten Morgen wird uns die Entscheidung durch eine Vielzahl von Schulklassen abgenommen. Wahrscheinlich als praktischer Teil ihres Geschichtsunterrichts werden sie in Bussen herangekarrt und auf das Gelände losgelassen.  Für uns ist das zu viel Lärm um nichts als Steinfragmente. 

Und so fahren wir weiter zur legendären Elias Beach. Fast jeder, der Griechenland besucht, kennt das blaue Wasser, die langgezogenen Wellen und den  breiten feinen Sandstrand hinter den Dünen.  Hier treffen sich Gleichgesinnte. Die einen REISEN und bleiben nicht lange. Die anderen WOHNEN in ihren Caravans und schaffen es mehrere Wochen an nur einem Platz am Strand zu stehen. Letztere haben mitunter ihr gesamtes Hab und Gut verkauft und leben nur noch im Rollheimer.  Der Gemeinschaftsgeist wabert über das nicht öffentliche Areal. Fast jeder Baum hinter den Dünen ist mit einem Womo besetzt. Aber wir sind die einzigen in einer Nische mit Strandblick!

Allerdings ist es in so einem Naturschutzgebiet   nur eine Frage der Zeit, bis die Polizei kommt – auch in Zivil – und das Gebiet räumt bzw. abkassiert, weil es irgendwann einfach zu viele Womos sind. Es wird vermutlich nur so lange geduldet, bis die Campingplätze Ende April bzw. Mai öffnen.  Die Leute halten sich aber zurück, ihr ganzes  Freizeitsortiment auszupacken. 

8./9./10.4. Kakovatos

Gleich der erste zivile Pickup morgens ist für Hendrik ein Alarmzeichen. Ich bin da gelassen, wahrscheinlich wieder nur ein Einheimischer,  der den Touris seine Produkte verkaufen will. Und so ist es. Meist haben sie leckeren Honig dabei und natürlich Olivenöl. Wir brauchen Wallnüsse – die hat er nicht. 

Der lange Sandstrand nimmt kein Ende. Und so landen wir noch einmal ein Stück weiter hinter den Dünen bei Kakovatos.

Ab jetzt stellt sich die Frage Kontaktcampen oder Nische suchen, denn später gesellen sich noch einige Womos dazu. Viele von ihnen fahren von Italien aus mit der Fähre nach Patras und beginnen gegenläufig zu uns ihre Reise auf den Peloponnes. Wir bevorzugen eher das Nischendasein ohne Ablenkung. Links von uns steht eine verlassene Strandbar und rechts haben wir Blick auf die schönen Sanddünen. 

Bald kommt eine alleinreisende Frau auf uns zu, die auf dem Platz auf ihre ebenfalls alleinreisende Freundin wartet.  Wir haben schon beim weißen Helge mitbekommen, dass sich  die Singlemänner Treffpunkte ausmachen, wo sie zusammen mit neuen oder alten Bekannten stehen. Wir denken uns aus eins mach zwei, tun sich Männlein und Weiblein doch wieder zusammen. Aber alle mögen ihre Unabhängigkeit bis ins fortgeschrittene Alter. Die Frau sagt eindeutig, dass sie  ihr Leben als Single genießt. Nachdem sie 15 Jahre verheiratet war und ihr Mann verstorben ist, reist sie  eben allein mit ihrem Caravan durch die Welt. 

In der letzten Nacht gibt es einen Zwischenfall. Ein Womo wurde mit  einer Bierflasche beworfen mit Schaden am Seitenfenster – Grund genug nach drei Tagen weiterzufahren!

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