28.3. – 4.4.25

28./29.3. Petalidi

Nachdem wir gestern unsere Einkäufe erledigt haben, hat uns das gute Wetter verlassen und wir bleiben am Hafen von Petalidi stehen.

The sun is not shining, today is a foggy and wet day – what we can do on a day like this? 

So eine Caravanclique ist ein Sammelsurium der  unterschiedlichsten Typen. Pensionäre und Rentner,  Aussteiger, Elternzeit, Workcamper, Sabbatical. Alleinreisend oder zu zweit, mit Hund oder Katz vermischen sie sich im Sommer mit dem Schwarm von Urlaubern. Sie nennen ihre Wohnmobile Rappelkiste, Vagabund oder eben Rolling Stone. Im Blog nennen sie sich Ingo Irgendwo, Hummeln im A.. oder eben Fred und Feuerstein. Das neueste sind junge Vanlifer, die ihrem nigelnagelneuen  Caravan in Markenklamotten entsteigen. Sie sind als Influencer unterwegs  und  feiern per Handy ihren Lifestyle. 

Die ältere Community sieht es entspannt. Ein Holländer hat sich hier am Hafen von Petalidi festgefahren.  Das Womo ist aufgebockt. Er hat einen Motorroller, um mobil zu bleiben, bekommt auch Besuch von einer jungen Frau mit Kind – Tochter oder Frau? Er tollt mit dem Kind herum und humpelt dafür am nächsten Tag zum Müllcontainer.  

Dann steht da noch der Ingo Irgendwo, der aus dem nirgendwo aus seinem Leben berichtet. Er schleicht um unser Womo herum,  um das nächste Opfer für seinen Podcast zu finden. Aber unsere Tür bleibt zu. Es gibt diese und jene  alleinreisenden Männer, wie wir am Ende der Woche feststellen.  Allen gleich ist ein enormes Mitteilungsbedürfnis, unter einer Stunde Redezeit geht da gar nichts.

Viele Traveller schreiben Blogs und veröffentlichen diese mit entsprechenden Werbeeinlagen.  Und so kann man tausenden Tipps, technischen und kulinarischen Ratschlägen, Wetterlagen und Reisebeschreibungen folgen.  Manche gehen soweit, die komplette Speisekarte ihrer empfohlen Taverne abzulichten. Alle haben mehr oder weniger schöne Bilder neuerdings natürlich mit der Drohne.

Sind das alles Reiseblogger die nach Perfektion mit büchertauglichen Reisebeschreibungen streben, Geld verdienen wollen oder weil es das Internet so einfach macht? Was diese Reisenden wirklich berührt, welche Erlebnisse sie haben,  erfährt man am wenigsten. Wer ihnen nachreist, brauchte wahrscheinlich schon immer Anleitung, Sicherheit und Koordinaten für sein Leben.  

30. Koroni

Wir fahren durch Burgenland, von einer Burg zur nächsten, beginnend in Koroni. Die Burgen dienten früher zur Kontrolle der Seehandelswege und zur Verteidigung. Womos dürfen  nicht hinein in die Stadt also parken wir davor und schlendern durch die engen Gassen zu Fuß bis zum Hafen, wo die Burg auf einer kleinen Halbinsel steht.  

Heute am Sonntag sind die Gaststätten voll in Betrieb und locken auch uns in die einheimische Kulinarik. Aber wie bisher ist es wieder nur Touristenessen. Riesige Portionen mit viel Fleisch,  lecker und reichhaltig.

Heute ist Schlemmertag bei Feuersteins. Mit Eis, einem Stück zuckersüßem Engelshaarkuchen und Törtchen runden wir den Stadtgang ab. Abends wird mit einer kleinen Mahlzeit am Meer bei Sonnenuntergang geendet. Da sind wir bereits in Methoni. 

Die Zeitumstellung beschert uns jetzt  lange Abende.  Obwohl wir die Stadt als Sehenswürdigkeit nicht auf dem Schirm hatten, sind wir begeistert von der großen beleuchteten Burganlage, vor der wir unser Womo geparkt haben. 

31. Methoni, Pylos

Morgens ist es dafür um 07:00 Uhr noch dunkel. Wir stehen wie die Ölsardinen, 5 Womos eng beieinander mit Blick auf  Burg und Meer, rechts von uns ein kleiner Van. Wir fragen uns, wie die ihr morgendliches Geschäft verrichten. Gehen sie deshalb in Etappen mit ihrem Müslibecher los oder einigt man sich auf eine Tageszeit im Wald? Wir haben den Luxus vom Klo aus das Meer zu sehen!

Wir gehen am Strand direkt am  Burgwall entlang, bis wir am Ende der Anlage einen achteckigen Turm erreichen, der früher mal ein Gefängnis war. Die Burg in Methoni hat einiges erlebt, wurde im 12. Jh. von den Venezianern errichtet, im 15. Jh. von den Osmanen erobert und im 16. Jh. von den Venezianern zurückerobert. Der in Stein gemeißelte geflügelte Markuslöwe ist immer noch erkennbar.   

Die nächste Burganlage steht in  Pylos. 

Die wird am Nachmittag  dramatisch in Szene gesetzt, weil sich ein Gewitter anbahnt. Wir stehen direkt neben der Burg mit Blick auf den kleinen Hafen. 

1./2./3./4.4. Navarino-Bucht

Am nächsten Morgen überfliegen zwei Tieffliegern mit Überschallgeschwindigkeit  die Stadt – ein höllischer Lärm. 

Wir umfahren die Bucht von Pylos aus, entkommen aber auch hier nicht den Tieffliegern, die fast den ganzen Tag über uns hinwegdröhnen, zuletzt sogar im Geschwader.  Die Hellenic Air Force befindet sich in Kalamata. Das Flugtraining findet direkt über unserer Bucht statt,   obwohl wir fast im Naturschutzgebiet sind und daneben ein riesiges Luxusressort steht. 

Auf der Landzunge an der Navarino-Bucht reiht sich ein Womo an das andere am langen Sandstrand –  ein Baum ein Caravan –  immer schön im Wechsel. Und so haben auch wir unsere Nische gefunden.

Weniger abwechslungsreich ist der  Strand.  Glatter Sand, nicht mal ordentliche Wellen – es gibt einfach nichts zu entdecken.  

Hendrik hat auf der anderen Seite in der Lagune  im Vogelschutzgebiet wenigstens ein paar   Flamingos aufgespürt.  

Heute wird unser  Neuerwerb  eingeweiht – die Aussendusche!

Am nächsten Tag hat sich die Bucht mit Schönwetterwölkchen über den Meeresausgängen  aufgehübscht. 

Wer mehr Action braucht kriegt mehr Action – wir fahren Rad!

Bisher haben wir die Zweiräder am Womo nur spazieren gefahren. Die  Straßen und Wege in Griechenland sind  einfach nicht geschaffen für Räder oder das Wetter war nicht danach. Fahrradwege gibt es so gut wie gar nicht. Weit kommen wir nicht aber wenigstens bis zum letzten Ende der Bucht an diesen schönen Strandabschnitt, der für Hendrik zum Baden wie geschaffen ist. 

Den nächsten Tag verschieben wir das Radfahren auf den Nachmittag, denn ein spindeldürres Männchen mit weißen Haaren und weißem Bart gesellt sich zu uns – der weiße Helge! Über die Technik – Fahrradträger – kommen wir ins Gespräch. Ehemals hat er als Selbständiger Wohnmobile mit Sonderwünschen ausgebaut. Jedes Thema wird von ihm mit einer kleinen Lachsalve begleitet, was irgendwie crazy aber sympathisch ist.  Die Tochter wohnt in Berlin und recycelt  Stühle in Sonderanfertigung. Er kann sich nicht entscheiden, ob er nur noch Womo fährt oder wieder in seine Kommune nach Harting zurückkehrt. Griechenland ist auch für ihn eine Offenbarung für Freisteher.

Auf unserer Radtour machen wir einen kleinen Halt, um endlich mal den Kaffee-Frappé  zu trinken, der Becher mit Strohhalm, den so viele Griechen trinken und  danach oft achtlos wegwerfen. Was ist daran so lecker und was hat es mit dem Frappéarsch auf sich?

Frappé wurde 1957 auf der Weltausstellung in Thessaloniki versehentlich hergestellt. Es ist ein geeister Instandkaffee – also ein bisschen Nescafe, Zucker und ein wenig Wasser werden gemischt bis die Mischung schaumig ist, dann werden Eis, noch mehr Wasser  und Milch hinzugefügt. Für mich als Kaffeejunkie ist es einfach ein kalter Kaffee mit Eiswürfeln. An heißen Tagen wahrscheinlich genau das richtige Getränk! Je nach dem, wie oft das süße Zeug getrunken wird, macht es eben irgendwann einen Frappéarsch.  

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