Tschüß! Polen 15.- 22.9.25.

15.9. Orzechowo

Die  Steilküste von Orzechowo ist wirklich bizarr. 

Zum einen  liegen dort Militärschiffe und zum anderen sind durch die tägliche Erosion etliche Bäume entwurzelt vom Steilufer herabgefallen.

Es wirkt wie ein Lost Places der Natur mit Baumstümpfen, Brackwasser und dunklem Buchenwald. 

16.9. Jaroslawiec

Der  nächste Leuchtturm liegt diesmal mitten im Ort und wir können genau daneben parken.  Allerdings ist es heute ordentlich stürmisch. Langgezogene Wellen rollen über den  Strand. Das Wetter  zeigt sich zum ersten Mal richtig herbstlich. 

Ich überbrücke den Tag mit einem Frisörbesuch. Eine gelangweilte Friseuse schnippelt so lange an mir herum,  immer kürzer und kürzer bis ich die Fassung verliere und kurzerhand abbreche. Ich bezahle umgerechnet 25 Euro aber selbst das ist die Frisur nicht wert.   „I ´m in a hurry.  My husband is waiting!“  Ich verlasse eiligst den Laden bevor noch mehr Unheil passiert. Hendrik steht davor, um ein Foto von der „Neuen“ zu machen. Der kann gar nicht so schnell schauen, wie ich aus dem Laden stürme. Seine Erwartung, dass ich freudestrahlend im neuen Look erscheine, hat sich leider nicht erfüllt. Die Frisur ist zwar kurz und der Nacken wieder luftig, aber eben total verschnippelt.  Zur  Schadensbegrenzung werde ich wohl nachjustieren müssen.

17.9. Darlowo

Wir stehen hinter einem Waldstreifen Nähe Rusinowo gleich hinter dem Strand. Die ganze Nacht rauscht das Meer und die Baumwipfel um uns herum krümmen sich in Wind und Regen. Wir müssen sogar im Womo kochen.

Im Sturm erobern wir den Leuchtturm von Darlowo. Früher stand nur er an der Mole, inzwischen ist alles zugebaut mit Hotels und dem  ganzen bunten Budenzauber, den man aus Polen so kennt – Souvenierstände, Lody, Klamotten, Futterluken….

Diese Brückenkonstruktion scheint es aber schon länger zu geben und erinnert und schwer an die 70ziger.  Unweit davon finden wir im Hafengelände einen ruhigen Platz für die Nacht.  

18.9. Gaski

Laterna morska w Gaskach befindet sich hinter dem Ort Gaski direkt am Meer. Daneben können wir sogar kostenlos parken.  Die Nebensaison hat am 15.9. begonnen und die meisten Parkplatze sind nunmehr frei. 

Scheinbar ist das liebste Urlaubsland für die Polen ihr eigenes an der Polnischen Ostsee. Und so wird überall gebaut, eine Urlaubersiedlungen an der anderen mit Holzhütten oder Hotels. 

Zu guter letzt müssen wir einen  Zeltplatz finden, der noch geöffnet hat. Ja – einen Zeltplatz!

Nach einem Jahr Freistehen haben wir uns zuletzt für einen Zeltplatz entschieden. Das hat natürlich seinen Grund. Max wird uns hier oben besuchen, um noch einmal Ostseeluft zu schnuppern. Er wird im Zelt übernachten und das kann man eben nur auf einem Zeltplatz zusammen.

19.9. Dzwirzyno

In der Nähe von Kolberg in Dzwirzyno finden wir den  Platz “Zur weißen Möwe“ wo wir in Kombi mit Zelt und Womo stehen können.  Wir haben Glück mit dem Wetter. Mit Max kommt die Sonne.  Wir vertreiben uns die Zeit am Strand und im Wald mit Pilzesuchen. 

Am WE scheint hier das örtliche Hundetreffen stattzufinden, überall wo wir sind, sind auch Hunde mit ihren Besitzern. Hinter uns steht ein Womo mit 5! Hunden in einem gemieteten hundegerechten Womo. Das gibt es also auch schon, ausgebaute Womos extra für Hundebesitzer.    

20.9. Kolberg

Das Wetter meint es gut mit uns, der Sommer ist noch einmal zurückgekehrt. Wir erobern den Leuchtturm von Kolberg. Es ist WE und ganz Polen scheint mal wieder auf den Beinen zu sein. Das kennen wir ja schon. Nachdem wir frisch geräucherten Lachs und Dorsch zum Mittag verspeist haben, besteigt Hendrik den Leuchtturm.

Dann wollen wir zurück aus dem Getümmel, versuchen es in einem Waldstück mit Pilzen aber keine Chance wenn man nicht gleich in der Frühe mit seinem Eimer unterwegs ist. Auch das wissen wir inzwischen. Der  Sandstrand  entpuppt sich als  ausgedehnter FKK-Strand, hinter jedem Windschutz ein Pärchen.

Hendrik ist der einzige, der Schwimmen geht bei diesen Temperaturen. Bei 17 Grad hat er in Griechenland angefangen im Meer zu baden und bei 17Grad hört er hier damit wieder auf.

21.9. Niechorze

Unser letzter Leuchtturm steht in Niechorze an der Steilküste. Er ist für mich eigentlich auch der schönste mit seinen vielen grünen Fensterläden und neben dem Turm von Swinemünde mit seinen 45 Metern einer der höchsten an der Küste. 

22.9.

Es ist Herbst. Vielleicht fällt es uns damit nicht ganz so schwer, uns vom Meer und dem freien Leben im Wohnmobil zu verabschieden.

Die letzten Abende haben wir im Sonnenuntergang und Abendrot verbracht und die schöne Reisezeit gemeinsam mit Max ausklingen lassen.

265 Kilometer sind es noch bis Berlin. Das ist keine Entfernung,  für einen nächsten Kurztrip oder auch länger für Touren mit unserem Kajak. Es braucht nur einen Vormittag, um wieder hier zu sein. 

FAZIT Polen

Auf unserer gesamten Reise haben wir die besten aufbereiteten Freisteherplätze  in Polen gefunden. Kostenfrei, teilweise EU gesponsert, fast immer mit Bänken, Unterständen und Grillstationen an Seen, Flüssen  oder mitten im Wald. Oft ab Nachmittag von den Einheimischen genutzt, sind wir am Abend meist  ganz allein gewesen. Besonders haben uns die Kanuplätze gefallen, die es fast überall gibt, denn das Land ist u. a. durch die Masuren mit Seen und Kanälen durchzogen.

Auch die Polen sind ein sehr freundliches Volk. Sie feiern gern und so bleibt so manche Nacht als Freisteher nicht ungestört. 

Aber das nehmen wir in Kauf für die wunderbare Natur, die doch meist stillen Orte mitten im Wald, beim Lagerfeuer an romantischen Seen und die langen naturbelassenen Strände im Osten, die vielen Pilzwälder und nicht zuletzt auch wieder die Leuchttürme, die wir noch einmal alle besucht haben. 

Polen ist der absolute Geheimtipp für frei stehende Womo-Fahrer – und das schöne ist, für uns recht schnell wieder erreichbar!

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