
6./7./8.9. Danzig/Sopot/Gdynia
Hinter Zaun, Feld und Vogelscheuchen in Mikoszewo hat sich eine Menschentraube gebildet. Genau an unserem Übernachtungsplatz ist die Endstation für die Traditionseisenbahn. Wir können beim Ankoppeln der Hänger zusehen. Aus den offenen Waggons werden die Wochenendgäste die Ostseelandschaft genießen.

Wir nehmen heute nicht den Zug sondern die Fähre. Auch an der Anlegestelle haben sich viele Menschen versammelt, um entweder in kleinen Booten bis zu den Robbenstränden zu fahren oder mit der Fähre die Weichsel zu überqueren. Uns fällt immer wieder auf, wie aktiv die Polen ihre Freizeit verbringen insbesondere am WE – beim Angeln, auf dem Fahrrad, im Wald Pilze suchend, mit dem Boot auf Kanälen und Seen, am Strand, mit der Kleinbahn. Landschaft ist eben reichlich vorhanden.

Auch in den interessanten Städten sind viele Leute unterwegs. In Gdansk wollen wir uns zuerst das Museum 2. Weltkrieg anschauen. Der auffällige Bau sieht wie ein umgekippter Würfel aus. Anstehen machen wir nicht mehr seit Ostzeiten vorbei sind, und so verzichten wir auf den Museumsbesuch.

Die Brücken werden hoch und runtergezogen bzw. gedreht, damit historisch nachgebildete Piratenschiffe mit Touries die Stadt auch vom Wasser aus bewundern können. Überall auf den Straßen gibt es Geschäfte mit Bernstein und Vitrinen mit ausgestellten Stücken davor. Am Strand haben wir nicht einen Krümel Amber gefunden – wo kommt das alles her? Von allem gibt es wie immer viel zu viel bei zu wenig Käufern.

Abends fahren wir zur Westerplatte Schiffe gucken. Wir stehen direkt am Leuchtturm Gdansk Nowy Port.

Riesige Fähren werden in den Hafen gelotst.

Noch am nächsten Vormittag schauen wir beeindruckt den großen Schiffen hinterher.

Sopot durchfahren wir etwas abseits. An die Promenade gelangen wir nicht, denn am WE finden wir keinen einzigen Parkplatz. Die Stadt ist modern und hat viele Neubauten.
Dafür halten wir uns in Gdynia eine Weile am Historischen Schiffshafen auf. Hinter der neuen Hafencity steht ein Kriegs- und ein Segelschiff.

Was für Gegensätze!

Danach verfranzen wir uns im Hafengelände von Gdynia. Bis wir wieder herausfinden, ist es Abend geworden. Irgendwann halten wir in einem Waldstück hinter einer Siedlung. Erst am nächsten Vormittag checken wir dann die Umgebung. Wir sind an der Steilküste gelandet. Durch den Wald gelangen wir über eine Treppe zum Strand, ähnlich wie in Dänemark. Die Danziger Bucht liegt vor uns. Wir nehmen ungestört ein Vollbad, kaum Leute weit und breit, bevor wir weiterfahren.
Die Küstenstädtchen werden touristisch aufgehübscht – es wird gebaut und gebaut. Irgendwann sieht es dann aus wie bei uns. Die Freiheit ist dahin, die Strände eingeteilt in Hunde- und normale Strände. Und wenn der Strand gefegt ist, können wir dafür Kurtaxe abdrücken. Der Mensch reguliert unnötig sich und die Natur.
9.9. Hel
Wir sind wieder auf Leuchtturmjagd. Gestern am Frischen Haff wartete der nächste Leuchtturm Latarnia Morska auf uns. Die Landzunge Hel fahren wir bis zum Ende ab, um dort alle Leuchtturme zu sehen – Hel, Jastarnia und Rozewie I und II.





Die Leuchttürme leiten uns auch diesmal wieder die Küste entlang wie im Jahr 2008 schon, diesmal Richtung Heimat, wobei Hendrik das Jagdfieber in diesem Jahr mehr gepackt hat als mich.
Die Türme müssen von Parkplätzen aus erwandert werden. Sie stehen meist mitten im Wald auf Anhöhen kurz vor der Küste. An so einem Tag laufen wir 8-10 km. Haben wir den Turm erst einmal erreicht, machen wir noch einmal Strecke bis zum Strand und danach zur Promenade, um die Kalorien wieder aufzufüllen.

11./12. Chozewo
Zwischendurch verschlägt es uns wieder landeinwärts. Wir bleiben bei Chozewo zwei Tage an einen kleinen See mitten im Wald stehen, kaum Spaziergänger bei 20 Grad Wasser- und Lufttemperatur.
Malerisch verändert sich der See über den Tag.



13.9. Leuchtturm Stilo
Auch den Leuchtturm Stilo müssen wir uns wieder mühsam erlaufen – wieder 10 Km durch Wald aber wenigstens auch ein Stück am Meer entlang.

Die Polen tragen eimerweise Pilze aus dem Wald und wir? Wir finden keinen einzigen. Gut, wir sind spät dran. Eigentlich sind wir auch nur wegen dem Leuchtturm gekommen, und deshalb geben wir uns heute damit zufrieden.

Auf dem Rückweg durch den Wald stoßen wir auf Wanderdünen. Der Sand hat die Baumgrenze erreicht und einige Stämme sind darin versunken. Wir sind in der Nähe von Leba, wo es die größten Wanderdünen gibt, fahren dann aber noch ein Stück weiter zum Slowinzischen Nationalpark unweit des Lebskosees. Wieder mitten im Wald, werden wir gleich von einer Herde Wildschweine empfangen und irgendwo röhrt auch noch ein Hirsch. So abgelegen wird es doch nun endlich auch ein paar Pilze für uns geben!?
14.9. Latarnie Morska w Czolpinie
Weil wir diesmal die ersten im Wald sind, werden wir reichlich belohnt und finden sogar schmackhafte Pfifferlinge.

Es gibt auch einen ganz neuen Pilz, die falsche Rotkappe, den es aus den USA nach Europa verschlagen hat. Der bleibt überall im Wald stehen, obwohl er robust und essbar aussieht. Selbst die Tiere rühren ihn nicht an. Noch ist nicht einwandfrei erwiesen, ob er wirklich verträglich ist.

Und noch einmal erwandern wir heute einen Leuchtturm – Latarnie Morska w Czolpinie – 150 Jahre alt! Er ist über ein Waldstück und eine megalange Treppe erreichbar und der erste, den wir besteigen, weil uns die Sicht aus 70 Metern Höhe auf die Wanderdüne interessiert.

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