30.8. – 5.9.25 Polnische Ostsee I

30.8. Elblagkanal – Oberländischer Kanal

Mit der Fahrt zum Elblagkanal verlassen wir die Masuren.

Die Übernachtung unterhalb von Luka beschert uns einen Wetterumschwung, gestern hatten wir noch 29 Grad, heute 10 weniger. Mit Hoch und Tiefs merken wir so langsam den Herbstbeginn. Richtung Elblag fahren wir durch viele kleine Dörfer bis wir den Elblagkanal bei Drulity das erste Mal streifen. Ab hier geht es rein und raus – ganze Busladungen auf das Schiff und dann sehen wir sie in Jelenie wieder, wo die Schiffe mit den Touris über die Steigungen gezogen werden. 2008 waren wir mit Isi und Max schon einmal hier  – und  wiedererkannt?

Eine Schiffstour ist eigentlich entbehrlich, viel interessanter ist es, wenn man beobachten kann, wie das Schiff langsam und leise  in der Lore an uns vorbeigeleitet. Über fünf schiefe Ebenen werden die Schiffe mit einem dicken Drahtseil gezogen, das durch ein Wasserrad angetrieben wird. 1860 eingeweiht  diente der Kanal als Verbindung zwischen Elblag und Danzig, bis er nur noch touristisch genutzt wurde.  Wie erinnern uns an den Film „Fitzcarraldo“ mit dem durchgeknallten Klaus Kinski in seiner Paraderolle. Kinski ist übrigens in Polen geboren.

31.08. Zamkowszcyzna 

Unweit des Kanaltreibens haben wir  einen See mit dem fast unaussprechlichen Namen Zamkowszcyzna zur Übernachtung gefunden. Es ist ein reiner Angelsee. In den frühen Morgenstunden kommen die Autos mit den Anglern. Sie sind kaum auszumachen, solange der Nebel über den See wabert. Am Vormittag ist die Sicht wieder klar und wir wandern einmal um den See herum. Mit den Autos darf man nicht um den See fahren, und so ist es für die Angler und für uns eine total ruhige Angelegenheit. Wir können wieder einmal nur staunen, mit wieviel Equipment die Angler unterwegs sind. Das ist  in allen Ländern gleich. Am Meer ist es oft ein Einzelvergnügen, an den Seen tun sich Männercliquen zusammen aber es kann auch ein Tag für die ganze Familie werden. 

1.9. Kadyny

Und schon haben wir September. Unser Ausstand ist jetzt ein Jahr her. Der Kreis schließt sich. Wir sind wieder am Meer! Also fast… 

Zunächst haben wir am Haff bei Kadyny eine Platz gleich hinter den Dünen gefunden. Das Wetter passt – 26 Grad. Die Ferien der polnischen Kinder sind zu Ende, der Strand schön leer. Das Haff ist noch flacher als der Balaton. Wenn man mindestens 100 Meter hineinläuft, umspielt das Wasser ein wenig die Knie.

Am Abend kommt ein Hochzeitspaar, um  sich im Sonnenuntergang am Strand fotografieren zu lassen. Ausgerechnet die fahren sich dann im Dünensand am Parkplatz fest. Der Retter in der Not ist Hendrik mit einem Abschleppseil. Der Hochzeitsanzug des Bräutigams ist hinüber und der Abend für die beiden sicher gelaufen aber bestimmt unvergesslich. 

02.09.Zelichowo

Am zweiten Tag am Haff kündigt sich nachmittags Gewitter und Regen an. Auf dem Parkplatz können wir deshalb nicht mehr stehen, um nicht in die selbe Situation wie das Hochzeitspärchen zu geraten. Wir fahren bis zum  Kanuwanderplatz am Fluss Tuga. Volltreffer!  Neben dem Fluss ist eine ganze Anlage nur  für Kajakfahrer hergerichtet, die auch Womos nutzen können. Daneben steht eine alte Kirche mit Holzturm, ein Obstgarten und ein uriges Restaurant mit kleiner Windmühle. Dazu eine Katzenmama mit 3 Jungen, die es sich auf einer sonnenbeschienen Bank bequem gemacht haben. Wie es den Katzis im Ferienhaus jetzt wohl geht?

3.9. Krynica Morska

Das Restaurant am Kanuplatz ist einfach zu verlockend. Wir entscheiden uns am nächsten Tag dort essen zu gehen. Zum Einstieg gibt es Himbeerlikör. Schmeckt fast besser als unser Selbstgebrannter. Als Vorspeise Gänseschmalz mit frittiertem Lauch, Brot und Salzgurken. Hendrik bekommt Ente und ich vegetarisch eine Kartoffelpastete mit Pilzen und Rote-Beete-Beilage.

Alle Speisen sehen phantastisch aus und schmecken oberlecker. Und mit dem Zwiebelmusterdesign fühlen wir uns gleich noch mal so heimelig. 

Obwohl uns der Platz sehr gut gefällt, wollen wir doch noch an das „richtige“ Meer.  Den ersten Meerblick haben wir in Krynica Morska.   Am Strand bekommen wir unser geliebtes Lody und schauen zu, wie die polnischen Männer ihre dicken Bäuche in die Sonne schieben, üppige Damen mit Hut daneben. Es gibt keine Strandmuscheln und kaum Sonnenschirme  sondern nur den altbewährten Windschutz. Die Leute machen es sich auf Decken gemütlich. Kleine Kinder vergnügen sich mit Eimerchen und  Schippe im Sand. Wenn ich daran denke, mit welchem Gedöns man in Deutschland an den Strand kommt – vor allem die „Strandmuscheln“ in allen Farben, die über den Strand gesät sind.  

Wir sind fast an der russischen Grenze, eine Straße, rechts und links Wald.  Fährt man immer weiter geradeaus, kommt man in eine Sackgasse. Den letzten Parkplatz vor der Grenze nehmen wir. Der liegt im Wald vor den Dünen. Alle gehen abends zum Sonnenuntergang, vielleicht weil es  hier kein Internet mehr gibt? Gemeinsam starren wir andächtig, als ob es die Sonne morgen nicht mehr gibt.  Sie geht natürlich am Meer  besonders schön unter.

4.9. Katy Rybackie

Und sie scheint weiter mit Temperaturen um 26 Grad. Alle Menschen zieht es zum Strand. Aber wo bleiben, wenn überall abkassiert wird, ich erinnere – für Natur bezahlen ist ja nicht unsers. Eine neue Strategie muss her. Am Waldrand gibt es kleine Parknischen. Nach etwa 1000 Metern hat man den Wald durchquert und findet die schönsten und ruhigsten Strandabschnitte vor. Der Waldspaziergang ist zudem sehr schön, viel Moos, allerdings wieder keine Pilze. Stattdessen suchen die Leute am Strand nach Bernstein. 

In Krynica Morska  macht Hendrik noch einmal ein Bild vom roten Leuchtturm.  Die Leuchttürme haben wir 2008 mit Max und Isi ausgiebig besucht.Einiges  hat sich  verändert, nur die Leuchttürme nicht. Und auch dieser Laden in Katy Rybackie ist wohl neu, ein so großes Fischangebot haben wir noch nie gesehen!

5.9. Sztutowo

Am kleinen Hafen in Sztutowo haben wir eine ruhige Nacht. Niemand stört es, dass 3 Womos mitten auf der Wiese stehen. 

Danach suchen wir uns wieder einen Strandabschnitt mit Walddurchquerung. Bis es am Nachmittag gewittert, verbringen wir noch einen weiteren schönen Tag am Meer. 

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