21.8. Augustow
Unsere Reise durch die Masuren beginnt mit der Stadt Augustow. Der 100 km lange Augustow-Kanal hat 18 Schleusen mit 55 m Höhenunterschied. Für Kajakfahrer ist Augustow Ausgangspunkt. Etwa 100 km sind wir von Weißrussland und Litauen entfernt. Ausflugsdampfer schippern mit den Urlaubern über die Seen und Kanäle rund um die Stadt.
Jeder Stadtgang ist eine kleine Herausforderung für uns. Wo finden wir einen Aufkleber mit dem Stadtnamen? Über Jahre haben wir damit unsere Garagentür dekoriert. Die Klebedinger sind allerdings nicht mehr angesagt und immer schwerer zu finden. Inzwischen sind sie in Plaste gepresst als Magneten erhältlich, die man an den Kühlschrank pappt. Wenn wir lange genug im Souvenirläden kramen, finden wir manchmal doch noch einen.

Und da ist noch eine Menge Platz für zukünftige Reisen.

Die polnischen Urlauber sind ganz verrückt nach einem Selfie mit der hübschen Beata. 1962 hat sie angeblich im Restaurant Albatros gearbeitet und ein Sänger hat sich schwer verliebt in sie, ihr natürlich ein Liebeslied gewidmet, womit er einen richtigen Knaller gelandet hat. Wohl jeder Besucher von Augustow, der am Restaurant Albatros vorbeikommt, setzt sich auf die Bank neben die bronzene Schönheit.

Die Nacht verbringen wir unweit eines alten Betriebsferienlagers unmittelbar am See. Auch hier sieht es noch wie in den 60zigern aus. Der Essenplan hängt wohl schon länger an der Tür? Aber alles ist real – die Hütten sind belegt und der in die Jahre gekommene Essenraum mit Wachstuchdecken wird noch gemeinschaftlich genutzt.
22.8. Elk, Pisz
Am nächsten See finden wir mitten im Wald vorbereitete Feuerstellen und Unterstände. Hier ist es so still, dass man nur noch das Rauschen des Waldes hört. Eigentlich ist der Platz wie geschaffen für uns, doch wir entscheiden uns noch ein Stück weiter zu fahren, obwohl wir doch eigentlich wissen, dass Polen am WE am Feiern sind.
Und so stehen wir in der Stadt Elk zwar direkt am See aber es ist wieder einmal so laut, dass wir den Platz abends noch einmal wechseln müssen. Im Biedronka (Marienkäfer-Discounter) wimmelt es am nächsten Tag nur so von Menschen. Den Resttag regnet es. Temperaturen liegen nur noch bei 17 Grad, in der Nacht bei 10 Grad. Wir fahren von einem See zum nächsten, die Auswahl ist groß bis wir abends unseren See wieder mitten im Wald finden, der Jaskowo Nähe des Ortes Szeroki Bor.
23./24.8. Krutyń, Pieski
Leider setzt sich das Regenwetter fort. An den Kajakstationen ist nichts los. Oder ist schon Saisonende? In Krutyń könnten wir uns ein Kajak ausleihen oder uns auf dem flachen Fluss mit Booten hinaufstaaken lassen, ähnlich wie im Spreewald. Es gibt sogar die Möglichkeit einer 10tägigen Flussfahrt mit dem Kajak. Wenn man im Schnitt 15 km paddeln würde, fände man auch immer einen Übernachtungsplatz am Ufer. Aber bei dem Wetter geht gar nichts, kein einziges Kajak ist auf dem Wasser.

In dieser Gegend gibt es schöne Holzhäuser alte wie neue.

Es geht in den Herbst. Den Abflug der Störche haben wir bereits verpasst. Die Storchennester sind alle leer. Dafür versammeln sich die Kraniche auf den Feldern. Wir holen wieder unsere warmen Jacken heraus, heizen das Womo und machen es uns eben drinnen gemütlich. Nur ein einziges Mal zeigt sich die Sonne und wir können sehen wie bezaubernd sich Himmel und Wolken in der Abendsonne im See spiegeln. Dann regnet es auch schon wieder.

Ein kleines süßes Häuschen in Pieski hat übrigens 2000 Bewohner! Eine Frau namens Walentyna Dermacka hat die Volkskultur der Region so fasziniert, dass sie zuerst Alltagsgegenstände und Souvenirs sammelte und später kleine Figuren einer Keramikbildhauerin, die das ländlichen Leben darstellen. Sie sollen überall im Haus verteilt sein – leider ist das Museum geschlossen und so muss ich mich mit der Fensterdeko zufrieden geben.

25.8. Mikolajki
So viele Seen!!!!! Was hätten wir in den anderen Ländern darum gegeben, wo wir bei über 30 Grad das kühle Nass gesucht haben, nachdem wir das Meer hinter uns gelassen hatten. In den Masuren schließt sich ein schöner See an den anderen an. Nur fehlt jetzt das Badewetter.

Das Zentrum von Mikolajki ist genau dass, was die Masuren für den Urlauber ausmachen – überall Schiffsverkehr von Ausflugsdampfern, Segelschiffen bis eleganter Motorjacht, dazu viele nette Souvenirstände und Gaststätten.
26./27.8. Szymanski Kanał
Am Szymanski Kanał geht es zu wie auf einer Autobahn, bloss nicht so schnell. Kleine Yachten und Segelschiffe mit so tollen Namen wie Monsun, Sunset, Blue Ocean, Fortuna und Liberty ziehen an uns vorüber.

Schiffe gucken ist unterhaltsam, wenn die Yachten nur 5 Meter neben einem vorbeischwimmen. Sie müssen im Kanal ihre Geschwindigkeit drosseln. Manche Freizeitkapitäne schwingen sich zu einem müden oder erfreuten Winken auf, wenn sie uns entdecken. Wir winken IMMER zurück. Es lebe die deutsch-polnische Freundschaft!

Mit jedem Boot, das an uns vorüberzieht gibt es Wellengang im Kanal und es dauert ein Weile bis sich das Wasser wieder beruhigt und leise vor sich hinplätschert. Die Sonne ist wieder da! Am Abendhimmel steigen Ballons auf.

Und ein wenig Pyromantik macht den Abend noch schöner.

Genau das Richtige für uns – zwei Tage vertreiben wir uns die Zeit am Kanal mit Schiffegucken und Winken.
28./29.8. Ryn
Wir befinden uns noch immer mitten in den Masuren. Ein wenig vermissen wir jetzt unser Kajak. Fast jeder See ist für eine Bootstour geeignet. Der Sommer ist zurück – 27 Grad! Am Dejguny-See im kleinen Ort Bogacko finden wir eine schöne Badestelle. Wasser hat allerdings nur noch 19 Grad. Am Nachmittag kommen die Einwohner und packen ihre Würstchen auf diesen Monstergrill.

Dass wir hier kostenlos zur Nacht stehen, hat seine Berechtigung. Der Bau des Unterstandes ist teilweise von der EU gesponsert.
FAZIT MASUREN
Auf unfertigen Straßen und Umwegen machen wir einen Abstecher in die kleine Stadt Ryn, nur eine der zahlreichen Städte, die direkt am See liegen. Die Leute, die in den Masuren leben, sind wirklich zu beneiden. Wer hier wohnt, hat reiche Auswahl aktiv in der Natur zu sein, ob Bootstour, wandern oder radeln auf super Radwegen. Ein See ist schöner als der andere. Für die Anwohner gibt es fast immer einen Badesteg. Und die Wälder – was für Pilze müssen im Herbst hier wachsen! Überall kann man Feuer machen, nicht selten gibt es vorbereitete Feuerstellen. Nicht zu vergessen das Softeis, es ist tatsächlich das leckerste Eis, das wir auf unserer ganzen Reise geschlemmt haben. Nächstes Mal kommen wir mit eigenem Kajak wieder.
Hinterlasse einen Kommentar