17.8. – 21.8.25

17.8. Narew Nationalpark

Ab jetzt befinden wir uns im Gebiet der Nationalparks im Osten Polens. Die Grenze zu Weißrussland ist nicht weit.  Am Rand des Narew Nationalparks unterhalb von Bialystok halten wir an einem Aussichtsturm zur Nacht.  Auf Schautafeln ist abgebildet, was hier wächst und lebt –  Blau- und Preiselbeeren, verschiedene Pilz- und Vogelarten, Waldtiere – nur zu sehen ist davon nichts.  Der Wald ist so trocken, dass kein einziger Pilz wächst.  Dafür leuchtet der  Aussichtsturm drei Stunden bis in die Nacht signalrot, warum auch immer. Dann geht auch hier das Licht aus.  Wir sind allein mitten im Wald, es ist zappenduster – und eine himmlische Ruhe.

 

18./19.8. Tykocin

…bis am Morgen die ersten Besucher am Parkplatz halten. Frühsport – Turmbesteigung! Kleine Herausforderung für nicht so Höhentaugliche. 40 Meter höher sieht die Welt nicht viel anders aus als wenn wir sie auf der Piste durchfahren –  Felder, Wälder und kleine Dörfer.  

Die Gänse schnattern aufgeregt,  als wir weiterfahren. Welche davon wird wohl Weihnachten auf unserem Teller landen? 

Im Dorf Tykocin wurde im zweiten Weltkrieg fast die ganze jüdische Gemeinde ausgerottet. Nichts davon merkt man, wenn man die  Dorfstraße entlangläuft, kein Denkmal, keine Stolpersteine weisen darauf hin.  Der  große Platz wird vor der Heiligen Dreifaltigkeitskriche dominiert, umrahmt von hübschen Holzhäusern. Die polnischen Urlauber, die das kleine Dorf besuchen, genießen genau wie wir  den Tag mit Eisessen, kaufen Baumkuchen und kramen sich durch die Souvenirstände oder besuchen die schöne Burg unweit des Dorfes. 

Am Abend finden wir Rande des nächsten Ortes in einem Waldstück  einen Unterstand mit einer großen Feuerstelle als Nachtlager. Ein paar Jugendliche kommen später, grillen sich ein paar Würstchen. Wir nutzen die Glut als sie weg sind und legen wieder ein paar Holzscheite auf. Wo gibt es das bei uns mitten im Wald so eine Feuerstelle, die für die Öffentlichkeit zugänglich ist, auch einige halbverbrauchte Säcke mit Holz liegen hier noch herum. Im Unterstand lässt sich gut feiern. Es lebe die Pyromantik!

 

Den nächsten Vormittag verbringe ich  im Internet mit dem „Holocoust Polen“  und bin erschüttert, weil auf der  Seite so geballt und ausführlich über die Gräueltaten und Beteiligten geschrieben wird. Wenn man sich über die konkreten Geschichte des Dorfes informiert, sieht man Tykocin aus einer ganz anderen Perspektive.

20.8. Bialystok

Das Wetter ist trüb – passend dazu Wäschewaschen. Die Automatenbedienung ist mitunter nicht so einfach. Heute kommt uns eine nette Polin zu Hilfe. Und weil wir brav auf dem Parkplatz vor dem Waschsalon unser Womo noch einmal nachjustiert haben, gibt es noch ein paar Bonbons von einem Polen. Nach guter alter Schule bekomme ich sogar einen Handkuss!

Aus dem Womo wird ein Wäschemobil, denn einige Klamotten hat der Trockner noch etwas feuchtwarm hinterlassen. Der frische Waschmittelduft  wird uns noch ein bis zwei Tage im Womo um die Nase wehen.

Doch das Dorf Tykocin geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Seit unserer Einreise in Polen werden wir mit der Geschichte Polens konfrontiert. Es sind nicht nur die vielen Kirchen, auch Kriegsdenkmäler und Konzentrationslager wie Majdanek. In Bialystok gibt es ein großes modernes Museum.  Allerdings bin ich  irritiert, als ich in der Ausstellung stehe. Ich werde mit einer ganz anderen Geschichte der Polen konfrontiert  als erwartet. Es geht um die sowjetische Besetzung  Ostpolens im zweiten Weltkrieg in deren Folge die Bevölkerung zum Teil zwangsumgesiedelt wurde – nach Sibirien! Davon war mir vorher nichts bekannt. Über das Schicksal der nach Sibirien verbannten Polen erfahre ich viel über Audioguide und anschauliche  Exponate in Vitrinen und Videos.

Proletarier aller Länder vereinigt Euch! Als ich dieses Exponat fotografiere, bekomme ich gleich einen Rüffel vom Personal.

 Ich schaffe etwas über die Hälfte  geballte Information, länger will ich Hendrik nicht warten lassen. Es ist eine wirklich sehenswerte Ausstellung. Zur Geschichte der Juden habe ich hier allerdings nichts erfahren.

21.8.Wasilikow

Unsere Nacht verbringen wir neben dem römisch katholischen Sanktuarium (Wallfahrtsort) „Unserer Lieben Frau der Schmerzen“ in Wasilików.

Das Heiligtum steht auf dem Hügel Swieta Woda mit einer Kapelle und einer Quelle, die Wunderheilung bewirkt haben soll.  Ein Blinder wurde wieder sehend – naja die alte Geschichte. Seitdem pilgern die Menschen hierher und die gesamte Anlage wurde immer größer. Das höchste Kreuz der unzähligen auf dem Berg ist weiß und ragt 25 Meter in die Wolken.

Um die großen Kreuze werden von den Besuchern kleine Holzkreuze  gelegt, sodass weitere Kreuzberge entstehen.

Wir als Atheisten stellen  uns eher pragmatische Fragen – wer klebt bzw. steckt die kleinen Kreuze zusammen, die man für ein paar Zloty kaufen kann, und kann das Wasser der Quelle auch wieder Haare sprießen lassen? Letztendlich fragen wir uns, was eigentlich die sieben Schmerzen der Maria sind:

Es sind Ereignisse aus dem Leben Marias, die mit großem Leid verbunden sind – die Weissagung Simeons, die Flucht nach Ägypten, der Verlust des zwölfjährigen Jesus im Tempel, die Begegnung Jesu mit seiner Mutter auf dem Kreuzweg, die Kreuzigung, die Kreuzabnahme und die Grablegung Jesu.  

Wenn wir gläubig wären, würde noch ein Holzkreuz dazukommen.  Aber der Freigeist zieht weiter – es geht in die Masuren. 

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