
Wir können uns kaum vom außergewöhnlich schönen Perucko jezero trennen, der uns zuverlässig ein paar Tage Schatten und Kühle gespendet hat. Noch dazu bekommen wir zum Ende eine Wassershow mit Tragluftbooten gratis. Der besondere Spirit ist natürlich, dass auf dem See Teile der Winnetou-Filme gedreht wurden.
Nach dem See ist vor dem See. Der Vrioce Nähe Sveti Rod ist nicht halb so schön dafür naturbelassen. Hier treffen sich Aussteiger – eine junge Familie mit Kind, die mit dem Fahrrad die Welt umrundet und ein Mann mit zwei Eseln – alle aus Frankreich.

Jean ist mit den Eseln Titan und Francoise unterwegs. Vor drei Jahren ist er in seinem Heimatort in der Nähe von Marseille gestartet. Er kann vier Sprachen und so klappt die Verständigung auch in Englisch. Der Ü50 will nach Indien. Er ist ein „Wanderer der Geduld“ und sucht nach der Weisheit. „Der da oben“ ist sein Boss.
Wir spendieren ihm ein Bier, nach seiner finanziellen Lage fragen wir lieber nicht. Wir haben Tierkontakt ganz anderer Art. Die Esel sind sehr zutraulich, schlecken die letzen Krümel von unseren Tellern. Sie sind nicht schreckhaft wie Pferde und leben länger als diese.
Es ist fast klar, dass Jean am nächsten Morgen nach Essen fragt. Nicht für seine Esel, die fressen den ganzen Tag nur Gras und scheißen danach die Gegend zu.
Haben wir uns unterwegs um Katz und Hund gekümmert, dann ist jetzt eben der Mensch dran. Für die nächste Woche hat Jean ausgesorgt – mit etwas Essen und Geld unterstützen wir ein Stück seines Weges und wünschen ihm, dass er an seinem Ziel ankommt.

Die Weisheit haben wir schon längst gefunden, einen Boss wollen wir nicht – wie immer ist der Weg das Ziel und für uns eine Reise ohne Entbehrungen. Wir schalten die Klimaanlage im Womo an und fahren einfach weiter. So gehen wir nicht nur der Hitze aus dem Weg, sondern machen auch wieder ein paar Kilometer Strecke bis hinter Zagreb.
Wir fragen uns allerdings noch, ob das sehr weise ist, wenn man die westlichen Welt verachtet und dann doch darauf angewiesen ist, wenn man nach drei Jahren Essen schnorrt und noch lange nicht am Ziel ist. Ob er da überhaupt ankommt – nur zu Fuß mit seinen zwei Eseln, ist jetzt schon fraglich. Bisher ist er 1500 km gelaufen, nach Indien sind es noch ca. 5000 km. Wenn er es wirklich schafft, ist er Ü60!
Er kann nur abseits der Zivilisation übernachten. Die beiden Esel machen ordentlich Dreck und brauchen viel Gras zu fressen. Jean hat ein bisschen Energie über eine Solarzelle und irgendwie auch Internet, wo er seine Reise über YouTube dokumentiert. Er vermarktet keine Botschaft, denn das ist ja genau das, was er nicht möchte, wenn er sich von der westlichen Welt abwendet.
Die Summe der Erfahrungen wird ihn weise machen. Aber welche Weisheit ist das heutzutage, wo jeder seine eigene Wahrheit hat, die Gesellschaft so schnelllebig ist, dass man kaum noch wahrgenommen wird.
Um es mit Max Worten mal kurz zu beschreiben – Jean steht ganz weit oben auf dem Krassometer unserer Reisebegegnungen.
Die nächste Nacht verbringen wir im Schutz einer Kirche, schöner großer Parkplatz mit Blick auf die Landschaft von Komin, ein Ort, den niemand kennt. Die Plittwitzer Seen haben wir längst hinter uns gelassen. Geld für Natur bezahlen und Massentourismus – das mögen wir gar nicht. Wenigstens die Bewohner haben auch etwas davon, die Straße ist von etlichen Ständen mit regionalen Produkten gesäumt.

Bevor wir die Grenze zu Ungarn passieren, halten wir hinter der Stadt Varazdin an unserem letzten See in Kroatien, dem Varazdinsko jezero, Hier können wir zwar nicht baden aber es gibt zahlreiche Wasservögel zu beobachten.

Regen kühlt die Luft endlich herunter, mit 20 Grad fast zu kühl seit wir uns Anfang Mai mit dem Hochsommer und der lähmenden Hitze herumschlagen. Die Vorboten des Herbstes sind da – Storchenfamilien, die in ihren Nestern auf den Abflug in den Süden warten, die ersten Kastanien hängen am Baum, Sonnenblumenfelder in voller Pracht neben abgeernteten Feldern mit Heuballen.

Die Landschaft ist wieder waldreich, hüglig und mit kleinen Ortschaften durchzogen, wie wir es von zu Hause kennen.
In der Stadt Varazdin sind wir dann ganz bei KUK. Es ist die erste schöne Stadt nach langer Durststrecke von Häusern ohne Baustil.

Wir stehen direkt an der Drava (Drau), die hier in den Stausee Varazdinsko jezero führt und weiter Richtung Prelog. An diesem See gibt es sogar Unterstände mit Grillstationen aber kein Mensch weit und breit. Wenn man bedenkt, was an der Küste so los ist…Aber wozu so eine coole Location mit Grillhütten, wenn man hier über Nacht nicht stehen darf? Der Grenzübergang zu Ungarn ist menschenleer und so verlassen wir Kroatien nach 5 Wochen ohne viel Aufhebens.
FAZIT Kroatien
Seit Anfang Juni sind wir in Kroatien unterwegs, ein Reiseland, in dem wir bisher nur in der Nebensaison Urlaub gemacht haben in dem Wissen, dass es im Süden in der Saison megaheiß ist. Das hat sich vollauf bestätigt und das Wetter hat von Anfang an unser Reiseverhalten bestimmt. Wir fliehen regelrecht vor der Hitze, suchen Schatten unter ausladenden Bäumen, stehen im Schutz von kleinen Kirchen und retten uns ins Ferienhaus mit Klimaanlage vor den ständigen Temperaturen von über 30-37 Grad. Entgegen unseren Gewohnheiten verbringen wir eine ganze Woche am See badend und vor uns hin dösend, bestens ausgerüstet mit einer Solarzelle.
Die Küste ist wie erwartet rammelvoll, das Hinterland schön und entspannt und das Wiedersehen mit den Kindern ist das beste, was uns in Kroatien passiert ist. Bis zur Grenze nach Ungarn gibt es dann die ersehnte Abkühlung, etwas über 20 Grad.
Wir wußten es ja schon vorher, dass hochsommerliche Temperaturen nichts für uns sind. Wir waren deshalb immer in der Nebensaison in diesem schönen Land unterwegs. So werden wir es auch weiter halten.
Wir verlassen damit auch die Balkanländer mit ihren großartigen Küstenabschnitten und dem abwechslungsreichen Hinterland, den Bergen und Tälern und schönen Seen. Die kulturelle Vielfalt haben wir weniger gesehen, viel mehr den Unterschied von Küste und Hinterland, was den Tourismus betrifft. Und ja, ein wenig mehr Kultur hätten wir uns gewünscht, die Städte sind recht ähnlich. Durch das Freistehen sind wir mittendrin, haben das ganz normale Leben der Menschen im jeweiligen Land mitbekommen.
Letztendlich ist es aber immer wieder die Landschaft, die uns fasziniert

– und so geht die Reise weiter Richtung Norden zum Balaton und in die Masuren.
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