26.5. Spille
Hätten wir einen späteren Einstieg am Strand genommen, wäre uns das extreme Mülldrama nicht aufgefallen.

Nur 10 km weiter ist um die Strandbars herum der Müll beseitig bzw. untergepflügt. Nur noch einige Plastetütenzipfel oder Verschlüsse von Plasteflaschen lugen verdächtig aus dem Sand hervor. Vor der Straße an den Stränden laufen dafür die Mülltonnen über.

An den gesäuberten Strandabschnitten stehen bereits Sonnenschirme und Liegen, die De-Luxe-Zone ist mit Strandbetten mit Baldachin und Tischen ausgestattet. Entlang der Bars schlängelt sich ein Steinweg, der unweigerlich in eine der Bars führen muss.
Die Cocktails heißen El Diabolo, Ameriko, White Russian und natürlich Sommerdream. Das grüne Meer liegt vor einem und es gibt hier die schönsten Sonnenuntergänge.
Was will der Urlauber mehr? Saufen, Fressen und Sonnen bis Sonnenbrand und Lederhaut – ist es das, was die Balkanländer über den westeuropäischen Urlauber denken, wenn sie den ganzen Dreck beiseite geschoben haben? Noch stehen wir im Schatten eines Kiefernwäldchens in aller Ruhe. Ab Juni geht die Saison los. Den Müll von gestern müssen wir erst einmal aus dem Kopf bekommen.

27. 5. Durres
Wir verlassen den Strand nicht wissend, wie schwer es ist, sich wieder an den nächsten Strandabschnitt vorzukämpfen. Ohne Internet ist es noch einmal schwieriger – P4N funktioniert nur eingeschränkt. Auf der Karte sind nur die Hauptstraßen zu erkennen und wir orientieren uns an den Kommentaren zu den Stellplätzen, die wir noch abrufen können.
Zur Mittagszeit landen wir in der zweitgrößten Stadt des Landes in Durres. Die Stadt ist riesig und scheint im ewigen Bauzustand zu sein. Immer neue Hotels kommen dazu. Wir haben Mühe einen Parkplatz zu finden. Von der Hauptstraße gehen kleine Nebenstraßen an den Hotelanlagen vorbei, bis man plötzlich auf einer langen Promenadenstraße steht, rechts der Hafen, ansonsten Hotelhochburg. Was soll man sagen zu der schönen neuen Urlauberwelt?
Für den Pauschalurlauber, der den Rundumservice liebt, scheint das ja was zu sein, vom Hotel direkt gegenüber auf den Strand zu fallen, das schaffst du auch noch im besoffenen Zustand. Sonne ist eine feste Größe und die ersten Käseweißen lassen schon alle viere Gerade sein.

Aber es scheint sich zu rentieren – selbst im letzten Zipfel zieht man ein neues „schickes“ Hotel hoch. Die Maklerin ist bereits auf Kundenfang und stolpert mit ihren Hackenschuhen mit einer Kundin durch den Bauschutt.

Wir versuchen mit traditionellem Essen in der zweiten Reihe an der Straße in die Urlauberatmotsphäre einzutauchen. Es gibt Fileto pules Shkodrani – etwas zähes Hähnchen in Pilzsoße – mittelprächtig und nicht mal billig. Außerdem unterhaltsam, wenn ein XXL-Mädel die ganze Zeit in einem Einteiler ihre Klamotten aus dem Auto räumt, um in das nächste Hotel einzuchecken.
Auf einem Parkplatz außerhalb der Stadt flüchtet ein Einheimischer mit seiner kleinen Familie aus der Stadt – er sagt zu uns: Durres – das ist kein Ort für Kinder!
Und auch keiner für Menschen, die Ruhe und Natur suchen.

Zur Nacht landen wir auf einer ehemaligen Burganlage zwischen einer Hausruine und dem Grab des Malers Ibrahim Kodra. Vor uns sehen wir die Reste der Burg. Beim Picknick auf der Burganlage haben wir hinter uns Blick auf die abendlichen Lichter der Stadt und vor uns die Lagune von Patok. Obwohl überall in den Ortschaften und Städten Minarette stehen, hören wir hier beim Sonnenuntergang zum allerersten Mal seit wir in Albanien sind, den Muezzin.
28.5. Shetaj
Abseits der Hauptstraße kämpfen wir uns noch einmal in einen Küstenausläufer vor, wo wir einen Leuchtturm vermuten. Fahrten zu Leuchttürmen sind meist abenteuerlich und oft so abseits, dass die Strecken überall auf unseren Reisen schwer zu fahren sind. Genauso ist es hier, nur das wir am Ende keinen Leuchtturm finden, sondern wieder nur einen übelst verdrecken Strand.

Selbst hier im letzten Zipfel, wo Schafe noch am Strand weiden und der Fischer seine Netze einholt, wird der Claim abgesteckt, um noch Urlauberessorts zu bauen.
Oberhalb der kleinen Steilküste parken wir neben einem unscheinbaren Gebiet und entdecken Bienenfresser, die in kleinen Erdhöhlen ihren Nachwuchs aufziehen. Wenn sie nicht gerade auf einem Ast sitzen, sind sie schwer zu fotografieren, immer in Bewegung und sehr schnell. Hendrik gelingen trotzdem ein paar schöne Bilder.
29.5. Lagune Patok

Die Lagune erreichen wir bei schönstem Sonnenuntergang. Der Vatertag ist danach verregnet, aber Anlass genug für uns, in einem der Stelzenhäuser die traditionelle albanische Küche zu probieren.
Ob die Hoppelhasen, die hier überall um uns herumspringen auch mal in der Pfanne landen, wissen wir nicht – wir essen Fisch und Oktopus.

Der Fisch namens Koce kommt direkt aus dem Meer, wiegt 400 Gramm und schmeckt richtig lecker. Der Tisch ist reich gedeckt mit Suppe, Salat, Pommes, als Nachtisch ein Obstteller. Außergewöhnlich ist eigentlich das Ambiente. Wo die Albaner ansonsten sehr gesellig erscheinen, gibt es hier abgeschottete Nischen mit plasteblumenverzieren Wänden und Schaufenstern mit Ausblick auf die Lagune. Nur eine Gruppe Männer sitzt frei in dem riesigen Gastraum. Man könnte sein Essen auch in einem der vielen kleinen Stelzenhäuschen verzehren, die separat zu jeder großen Gaststätte gehören.Viel billiger als ein Gaststättenbesuch in Deutschland ist das Essen in Albanien allerdings auch nicht.
Regenzeit ist Fahrzeit. Die nutzen wir, um noch einmal an einen Strandabschnitt zu kommen. Hinter Lezhe biegen wir von der Hauptstraße ab, Richtung Shengjin. Auch hier sprießen die Ressorts aus dem Boden, riesige Hochhaushotels verschandeln die Küste. Dafür werden die Strände bereinigt und mit unzähligen Strandliegen und Sonnenschirmen ausgestattet.
An der letzten Strandbar geht der Weg nur noch im Sand weiter. Ein paar mutige Womos nehmen das letzten Stück, um dann wie Meier, Müller oder Lescznikows aus Tschechien eng nebeneinander wie auf einem Stellplatz zu stehen. So haben sie sich die Idylle wohl auch nicht vorgestellt. Die Strandbars bieten meist freies Stehen vor der Saison an wohlweislich, dass der Camper dann auch bei ihnen speist.
Für den wunderbaren Sonnenuntergang lohnt sich die Fahrt aber allemal.

30./31.5. Grenzsee – auf albanischer Seite Liqeni i Shkodres (nach der Stadt Shkoder benannt) in Montenegro Lake Scutari
Die Städte sind Ausdruck eines Lebensstils, den eigentlich niemand gutheißen kann, der anscheinend aber halb Albanien ernährt. An der Küstenstraße gibt es noch einige dieser Hotelhochburgen bis wir an den Grenzsee gelangen und zwischen Shkoder und Koplik einen Feldweg zum See finden.

Das die Natur auch hier nicht in Ordnung ist, darüber täuschen auch die netten kleinen Glühwürmchen am Abend nicht hinweg. Wir haben unser Tagesziel erreicht – einen Stellplatz unter einem schattigen Baum. Dazu noch ein kleiner Bach vor der Nase, der rechts und links von ein paar Plasteflaschen gesäumt wird, dahinter eine Wiese mit zwei weidenden Kühen. Der Bauer grüßt freundlich als er die Kühe zum Melken nach Hause führt. Am nächsten Morgen schaut dann auch der Hirte mit seinen Ziegen einmal vorbei. 500 m Fluglinie von uns entfernt liegt der See hinter einem Schilfgürtel.

Die Nacht bleibt naturruhig – Frösche quaken und Vögel zwitschern am Morgen während der kleine Bach noch ein wenig Plaste in den See abführt.
Wir ziehen noch ein Stück weiter an eine Badestelle, wo wir richtig Seeblick haben. Ein älteres Pärchen aus Innsbruck ist schon da, 15 Jahre älter als wir. Bis vor 3 Jahren waren sie nur mit Zelt und Hänger in einem Jeep unterwegs offroad meist in den Bergen. Jetzt fahren sie mit einem geländegängigen Buchanka weiterhin offroad – Respekt!
Am kleinen Strand ist einiges los. Das Wasser hat 25 Grad! Aus den weit entfernten Dörfern kommen Leute an den See, grüßen aber Verständigung mit uns nur mit Händen und Füßen. Ein paar Kinder toben lange im warmen Wasser, ab und zu kommt ein Auto, meist junge Leute, schauen, fahren wieder. Wir sitzen bis zum Sonnenuntergang auf unseren Campingstühlen am Wasser und schauen uns das Treiben ganz relaxt an. Die Frösche quaken am Abend gemischt mit Vogelgezwitscher. Von weitem hört man die Motoren von vereinzelten Fischerbooten. Es soll hier Karpfen geben.

Ein Tatoomeister stellt im Bunker seine abstrakten Bilder aus, unweit des Hauses lebt er mit Frau und 4 Kindern….

… seinen Traum inmitten der Lavendelfelder.

Und weil es uns gut gefällt, wechseln wir noch ein drittes Mal die Badestelle am See. Nun haben wir 360 Grad-Blick, rund um uns die Berge. Der See ist niedrig und spiegelglatt im Sonnenuntergang. Und mit den schönen Abenden am See wollen wir Albanien in guter Erinnerung behalten.

FAZIT Albanien
Das Hinterland ist naturbelassen und für Freisteher ein Paradies!
Das ganze überbordende Bauen von Hotels an der Küste ist allerdings grenzwertig, dort ist es voll, laut und ganz ohne Charme, alles nur protzig einschließlich Badegäste. Und eigentlich wollte ich mich an der Stelle noch einmal richtig über das Müllproblem auslassen, aber das kann ja jeder selber googeln.
Die Albaner sind absolut freundlich und herzlich. Unterwegs im Auto wird uns oft zugewunken, „Guten Morgen Deutsche“ zugerufen oder wir werden mit Handschlag am Badesee begrüßt. Besonders an den Seen haben wir unberührte Natur und die schönsten Sonnenuntergängen gefunden.
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