07.03. – 14.03.

7.3.Trinysa

Freitag ist Markttag in Yithion.  Allerdings nichts neues im Sortiment – kein Kohlrabi, Bohnen o.ä. Nach unseren Einkäufen sind wir hungrig und wollen essen wie  bei Muttern. Am Strand von Trinysa gibt es eine kleine Taverne mit griechischer Hausmannskost. Griechische Männer sitzen bereits beim Ouzo am Tisch.

Nach gefühlt einer Stunde nach Bestellung kommt „Muttern“ mit dem Essen. Wir haben Zeit und genießen derweil die Aussicht!

Sieht doch lecker aus oder?

In meinem Fall ist das Essen leider nur noch lauwarm und trieft vor Olivenöl einschließlich Salat.  Das beste ist der Kartoffelbrei mit Knoblauch und die mit Schafskäse gefüllte Tomate. Hendriks Fisch ist undefinierbar. Der Nachtisch macht aber alles wieder gut, lecker Grieskuchen – Galatopita – und ein wirklich guter Kaffee. 

Hier ist der Strand unendlich lang  und das beste – wir haben ein Stück Heimat unter den Füßen – warmer Ostseesand!

8.3. Glyfada Tigiania Beach

Ein Mann spaziert mit zwei Hunden vorbei. Ist es etwa der, der in park4night schon als übergriffig beschrieben wurde?

Wir haben keine Vorurteile. Unsere Männer werden uns Frauen schon verteidigen – auch wenn Emanzipation am heutigen Frauentag groß geschrieben wird. Es steht ja so einiges in der WomoApp, was wir anders sehen, z. B. sei dieser Strand nichts besonderes? 

Hä? Wir können über die riesige Bucht bis zum Taigetosgebirge schauen. Mit seinen weißen Bergspitzen schwebt es heute wie Wolken am Himmel.  

Unsere Spaziergänge  zur kleinen Kapelle zum Sonnenuntergang,  werden uns in schöner Erinnerung bleiben.  

Inzwischen ist die Karawane auf 4 Womos angestiegen. Keinen von denen haben wir unterwegs beim Wandern getroffen. Außer der aktiven Familie mit 3 Kindern bringen die anderen gerade mal ihren Müllsack zur Tonne.

Wir stehen  3 Tage, zuletzt ganz allein.

09.03. Strandtag

Beim letzten Skypen wurde uns die Frage gestellt, was wir so den ganzen Tag machen – gute Frage! 

Ein Tag, an dem wir „nur am Strand stehen“ beginnt natürlich mit einem ausgiebiges Frühstück. Als Frühaufsteher habe ich davor schon ein paar Zeilen in den Computer getippt. Nach dem Frühstück  ist vor dem Mittagessen – Resteessen oder Kartoffeln, Omnia oder Wrap? 

Aber erst mal die Gegend erkunden. Rechts oder links vom Strand? Rechts an den Wohnwagen der Einheimischen vorbei. Selbst die mickrigste Hütte ist mit dieser Aussicht auf das Meer  ein Wohntraum!

Wir beobachten einen Schwimmer der eifrig durch die Bucht krault  – nächste Bahn Rückenschwimmen – dann noch Brustschwimmen. Alles in vollem Tempo, denn er hat Schwimmflossen und seine Handschuhe haben Schwimmhäute.

Beim Spaziergang  retten wir einen einen hilflosen Oktopus, den es an den Strand gespült hat.   

Rückzu hat Hendrik auch Lust auf Meer bei – bei 17 Grad Wassertemperatur! Der Bewohner vom Berg kommt vorbei,  zeigt uns einen Vogel – viel zu kalt das Wasser!  Er ist nett will smalltalken, auf Griechisch – also translaten wir mit Handy. Unsere frischen Englischkenntnisse können wir hier nicht anwenden. Aber ist es nun der, der in der App beschrieben wurde?

Wir haben uns für Wraps entschieden. 

Nach dem Essen ab in die Liegestühle bei Meeresrauschen chillen oder lesen bis zum Nachmittagsspaziergang.  

Wir haben gestern auf einer Anhöhe eine kleine Kapelle entdeckt.

Dort wollen wir den Sonnenuntergang verbringen. Das Meeresrauschen ist hier oben kaum zu merken.

Nur  eine kleine Fledermaus hat sich noch hierher verirrt – selbst die Sonne versinkt ganz entspannt in orangerot hinter dem Bergpanorama.  

Nach Sonnenuntergang wird es sportlich, auf den Punkt vor dem Computer zum Englisch  zu sitzen. Unser Englischlehrer Max wartet auf uns ab 18:00.  Die Zeitverschiebung von einer Stunde kommt uns zugute.

Die Freiheit  fast allein in einer riesigen Bucht oder Strand zu stehen ist einfach unbezahlbar. Nur am Morgen  gibt es  ein gewisse  Routine. Danach lassen wir uns vom Tag überraschen.  Alles läuft  entschleunigt, ohne Zeitdruck  nach Lust und Laune. 

Leben und leben lassen, ist die Einstellung der Griechen und jetzt auch unsere.  

Mit dem entschleunigten Reisen entdecken wir nicht nur  ein wunderschönes neues Land sondern auch uns selbst. Wir sind absolute Draußen-Menschen. Das können wir in Griechenland total ausleben, denn hier gibt es kaum Beschränkungen. Zu Fuß erkunden wir die unendlich langen  Strände,  versteckte Kapellen haben die schönsten Aussichten, Lost Places sind immer interessant. Wir fotografieren und stellen vieles in den Blog als Erinnerung für uns und teilen es gleichzeitig mit der Familie. Und wir lernen endlich Englisch! 

Wo wir einige Tage länger stehen, breiten wir uns so richtig aus,   einschließlich Kochstelle im Freien.Das machen erstaunlicherweise  die wenigsten Traveller. 

Für Sammelleidenschaft und Kreativität ist endlich Zeit. 

Streunende  Katzen und Hunde gesellen sich meist zu uns. Wir kümmern uns mit Futter und ein paar Streicheleinheiten um die Tiere bis wir wieder weiterziehen getreu unserem 20jährigen Leitspruch „Der Weg ist das Ziel“!   

Außerhalb der Saison ist es kein Problem überall zu stehen. Die versprengten Traveller sorgen für Abwechslung und bringen ein wenig Geld in die Tavernen. Die Griechen sind freundlich, so manch einer zeigt den Daumen hoch – Willkommen – Jassas!

Jeder Tag  fühlt sich an wie ein griechisches Komboloi   – Entschleunigung, Ruhe, Müßiggang und Zeitvertreib.

Wir haben nichts anderes zu entscheiden als rechts oder links herum, weiter oder nicht. 

Jeder Tag ist eine Inspiration und gibt uns ein anhaltendes Hochgefühl.

11./12./13./14.3.  Archaggelou Bucht hinter Paralia 

Im dritten Finger der Peloponnes wird es noch einsamer, die Orte immer winziger, die Strände und Buchten dafür um so länger und rauher. Wer diese einsamen traumhaften Strände mag, kann hier monatelang fast allein stehen – wenn er sich vorher reichlich mit Nahrung eingedeckt hat.

Die Agaven  blühen nur einmal in ihrem Leben, dafür  mehrere Jahrzehnte und werden  bis zu 12 Metern hoch!

Die Einsamkeit schlägt aber so manchem Griechen aufs Gemüt. Bevor die Saison im Juni beginnt haben sie einen langen „Winter“ ohne Gäste.  Wir treffen auf einen 76jährigen Griechen, der vor seiner noch geschlossenen Cocktailbar werkelt und froh ist, dass mal jemand vorbeikommt. Er lädt uns zum Kaffee ein und beginnt  zu erzählen – sein Deutsch ist super. Er hat in Deutschland als Gastarbeiterkind gelebt, bei Porsche am Band gearbeitet bevor er nach Griechenland zurückgekehrt ist und bis heute die Cocktailbar betreibt. Außerdem ist er Musiker, hat traditionelle griechische Musik in Deutschland gespielt und hatte auch eine kleine Band. In seiner Taverne sind seine Gitarren ausgestellt.

Viele Familien, die hier Urlaub machen, kennen sich, sind bei ihm auch Stammgäste. Im August ist Hochsaison. Dann holt er sich Hilfskräfte für seine Taverne aus den Dörfern.

Er hadert mit dem Alter. In seiner Jugend wurde er als attraktiver Grieche von den Mädels umschwärmt! Heute lebt seine Frau mit Tochter und Enkel in Athen. In den Sommermonaten kommt sie ins Dorf zurück und hilft ihm in der Gaststätte. Während wir  noch ein wenig über Politik schwurbeln, läuft die ganze Zeit Musik aus den 80igern. 

Nun müssen wir aber los – der Schaukelstuhl auf dem ich sitze ist hart, der leckere Espresso ausgetrunken und wir haben noch keinen Platz für die Nacht. Den können wir von der Taverne aus schon sehen am gegenüberliegenden Ende der Archaggelou Bucht hinter Paralia.

Der Ziegenhirt, der zweimal täglich seiner Herde vorbeitreibt ist unser einziger Besucher. Sein Hütehund Raoul springt mich freudig an zur Begrüßung. Wir haben noch bei Sonnenuntergang 20 Grad und laue Nächte  um 17 Grad.

Langgezogene Wellen rauschen den ganzen Tag.  Phlox breitet sich über den Strand wie ein Teppich aus und lässt die Schmetterlinge tanzen. Auch ein scheues Katzi besucht uns. Hier is schön – hier bleiben wir – Tag um Tag.

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