02.11. Traun
Der Stift Engelhartszell ist ein Katzenparadies. Heute Morgen spaziert eine weißen Katze über den Platz. Sie wird von einem Bewohner des Stifts gefüttert. Auch den Bewohnern des Pflegeheims scheint es hier gut zu gehen. Manche haben geistige Beeinträchtigungen. Und so braucht der Mann eine Ewigkeit, bis er die Dose Katzenfutter öffnet, möchte sich von mir aber auch nicht helfen lassen. Es scheint das tägliche morgendliche Ritual zwischen ihm und der Katze zu sein, da will ich nicht stören.
Bei Linz verlassen wir die schöne Donaustrasse. Unterhalb von Linz, in Traun, gibt es einen Laden, wo Hendrik endlich neue Gummischuhe kauft, diesmal in blau. Dazu müssen wir uns am Rande einer riesigen Shoppingmall durchkämpfen, die so groß ist, dass das Parkleitsystem von Polizisten geregelt werden muss.

Im Gartencenter kaufen wir dann die echten BLACKFOX – designed by Frankreich und noch ein paar extra dicke Socken dazu. Jetzt ist Hendrik wieder glücklich.
Schloss Traun ist von herbstlichen Bäumen umgeben, ein Kleinod in einer so lebendigen Stadt.

Auf der Autobahn steuern wir zum ersten Mal so eine Art Servicepoint an, wo man duschen und Wäsche waschen kann.
Aber die Waschmaschinen sind ja viel zu klein! Da passen gerade mal ein paar Slips in die Waschtrommel. Noch dazu sind alle Duschen außer Betrieb.
Duschen wollen wir unbedingt. Deshalb suchen wir uns einen Zeltplatz in der Nähe – hinter Sankt Pölten, bei Markersdorf, Abzweig Finsterhof am A der Welt – naturbelassen oder nennen wir es etwas in die Jahre gekommen. Ist so ähnlich wie Buxtehude oder da wo der Pfeffer wächst.
Wir finden uns auf einem großen Bauernhof wieder. Der Einlass funktioniert, Hendrik ergattert zwei Duschmarken, und wer hätte das gedacht, wir sind hier nicht die einzigen Gäste.
Etwas weiter oben stehen noch einige Womos und sogar Zelte, dahinter noch ein weitläufiger Dauercampingplatz mit Parzellen, in denen abgemeldeten Womos überwintern.
Gegenüber in der Scheune befinden sich eine gut ausgebauten Sanitäranlagen. Endlich heiße Dusche – jeder 7 Minuten begrenzt – wie schön!!!!
03.11. Von Finsterhof über Neusiedler See nach Ungarn
Ein ganzer Trupp Ziegen beäugt uns am nächsten Morgen hinter dem schmalen Weidezaun. Wir stehen mit unsere Womo direkt an der Weide.

Zum Frühstück gibt es Gras, ein paar Ziegen schaffen es sogar, sich an den Baumstämmen der hohen Pappeln aufzustellen und Baumrinde zu knabbern, bis die Besitzerin der Tiere und des gesamten Bauernhofes frisches Gemüse bringt.
Es sind 8 Ziegen, 4 Böcke darunter und zwei Zwergkälber.
Im Smalltalk mit der Bäuerin erfahre ich, dass sie die Tiere nur zum Spass hält. Sie überwintern draussen, haben zwei Unterstände. 18 Jahre kann so eine Ziege werden, ihre älteste ist jetzt 10. Neugierig schaut eine weiße Katze aus sicherer Entfernung, zwei große Hasen hoppeln um uns herum. Für Kinder gibt es noch genug Kleintier in Gehegen mit Kaninchen und Meerschweinchen. Soviel Viehzeug haben wir lange nicht gesehen, die Finsterhofer Ziegenwanderung wäre jetzt das Highlight?
Die Sonne steht das erste mal nach Tagen wieder richtig satt am Himmel und erinnert uns, wo wir eigentlich hin wollen. Endlich können wir unseren Kaffee wieder einmal draussen genießen.
Hier ist ein Ort, wo man verweilen könnte. Wir haben jetzt ein Zeitguthaben von knapp einem Jahr! Zeit nicht mehr als Mangel zu sehen, sondern jede Minute genießen, da sind wir allerdings noch nicht angekommen. Wieder sitzt sie uns ein wenig im Nacken. Die Nachttemperaturen liegen inzwischen bei 2 Grad, sodass wir uns weiter nach Süden Richtung Wärme bewegen ohne dabei länger an einem Ort zu bleiben.
Auf der Autobahn kommen wir schnell voran, rauschen an Wien vorbei und legen dann einen Stop am Neusiedler See ein. Das Wasser liegt spiegelglatt vor uns bis es am Horizont mit der Sonne verschmilzt.

An der Grenze zu Ungarn wird kontrolliert, aber nicht auf unserer Seite, sondern alles was nach Österreich rein will, da entsteht reichlich Stau. Wir haben freie Fahrt, zumal heute Sonntag ist und kein LKW auf der Straße. Ab Gönyu fahren wir wieder an der Donau entlang. Am Abend stehen wir zwar erste Reihe mit Sonnenuntergang und vorbeiziehenden Donaukreuzfahrtschiffen, haben dafür aber kein Internet, weil wir in einer Sackgasse im eher unbekannten Ort Acs etwa 100 km vor Budapest stehen.

4.11. Budapest, Kecskemet
Der Nebel über der Donau mutet schon winterlich an. Es hat so seinen Reiz. Für den Morgenspaziergang am Donauufer entlang, müssen wir schon mal Schal und Mütze herausholen. Die Nacht hatte nur 0 Grad. Wir müssen aufpassen, dass wir an manchen Stellen nicht im Schlamm versinken. Auch hier war die Gegend wohl von den Überschwemmungen betroffen.
Das Parlament in Budapest stand jedenfalls Mitte September bis zu den Stufen im Donauwasser.
Da wir später als geplant in das Sabbaticaljahr eingestiegen sind, befinden wir uns heute aufgrund der geänderten Fahrtroute in Budapest. Wir schaffen es mit unserem Womo direkt auf den Gellertberg. Hoch über der Stadt haben einen phantastischen Ausblick – die Sonne scheint auf die Fischerbastei und die Donau mit ihren vielen Schiffen, das Riesenrad dreht sich, ein schwebender Ballon vollendet das Panorama. Die beiden Stadtteile Buda und Pest, durch die Donau getrennt sind, vereinigen sich durch die Brücken zu Budapest.

Es ist unser erstes Wiedersehen mit der Stadt nach dem Mauerfall!
Einen Stadtgang brauchen wir nun nicht mehr. Außerdem sehen wir einige der wunderschönen Häuser beim Durchfahren Richtung Autobahn.
Und die beiden hier

Am Abend stehen wir in ländlicher Umgebung am Rande von Kecskemet. Noch bevor die Dunkelheit eintritt suchen wir uns die Übernachtungsplätze. Meist runden wir den Tag mit einem Spaziergang ab und sehen diesmal eine Schafherde samt Schäfer im Sonnenuntergang verschwinden.

5.11. Naturreservat bei Szatymaz
Minus 1 Grad die Nacht zaubert morgens Raureif in die sonnenbeschienen Wiesen. Wir stehen direkt am Aboretum, wo uns unser morgendliche Spaziergang hinführt. Am Eingang des Abortums steht die Maria-Kapelle, dahinter eine Allee Steinskulpturen ungarischer Heiliger bevor sich die herbstliche Natur in all ihren Farben öffnet. In dem weitläufigen Park werden Pflanzen und Vögel beobachtet, wie sie sich am Standort unter einheimischen Bedingungen entwickeln. Sogar eine Eichenbaumsammlung gibt es hier!
Zum Herbst gehören Kraniche und die finden wir am Rande eines Naturreservats vor Szeged. Ein netter Ungar verrät uns die Stellen, wo sie die Felder abgrasen bevor sie weiter in den Süden fliegen. Er hat vor langer Zeit in Dresden studiert und spricht noch heute ein perfektes Deutsch.

Wir kochen, sitzen in der warmen Sonne und warten auf die Vögel, die sich hier am Nachmittag versammeln sollen. In der Ferne zieht ein einsamer Traktor Staubwolken über das Feld. Irgendwann fahren wir den Kranichen entgegen, finden auch eine große Anzahl auf einem nahen Feld. Allerdings sind die Vögel so schreckhaft, dass sie sofort davonfliegen.
O.k. schauen wir uns eben mal den örtlichen Friedhof an. Auf der Anhöhe dort können wir bis nach Szeged schauen, die nächstgrößere Stadt, die wir uns morgen anschauen werden. Die Verstorbenen haben fast alle die selben Vornamen: Josef und Maria, Janos, Istvan, Julianna und Rozalia.
Kraniche sehen wir abends nicht mehr, haben aber vom Turm der Halaszcsarda einen tollen Sonnenuntergang und Blick auf die vielen Fischteiche, deren Fische in dieser Gaststätte auf den Tellern landen.

6.11. Szeged
Der Stadtgang hat sich gelohnt! Über die Theis sieht man schon weithin die Türme der neuromanischen Backstein-Basilika. Der Kathedralplatz ist dem Marktplatz von Venedig nachempfunden. Die Innenausstattung prunkt mit Jugendstil, jedes Stück Wand ist mit Ornamenten und Heiligen bemalt, Insbesondere die Mosaike in den Kuppeln und die bunten Kirchenfenster sind faszinierend. Da gibt es einiges zu schauen!

Auch die Straßen von Szeged haben viele interessante Jugendstilhäuser.
Einige Studenten gehen an uns vorüber und sprechen erstaunlicherweise Deutsch. Sie können hier seit 2023/24 ihr Medizinstudium in deutscher Sprache absolvieren – es wird überall in der EU anerkannt.
Kurz vor der rumänischen Grenze halten wir am Fluss Maros bei der Stadt Mako. Rund um den Adventure Park stehen die meisten Häuschen auf Stelzen, warum erschließt sich uns nicht so richtig – wegen der geringen Quadratmeterzahl der Grundstücke? Fast alle Häuschen haben Außentreppen, die zu einem einzigen Schlafraum führen. Oder stehen die auf Stelzen, falls der Fluss ansteigt? Hier mal eine kuriose Auswahl als Inspiration für den Gorinsee:



Hinterlasse einen Kommentar