WE

14. – 16.6.24 Rügen

Wir fahren zu den Störtebeker Festspielen nach Ralswiek zur Generalprobe. Die Karten kosten deshalb nur die Hälfte.

Weil es eine Naturbühne mit ganz viel Bewegung zu Wasser, auf Pferden und Wagen vor der Kulisse des nachgebauten Hamburger Rathauses aus dem 14 Jh. ist, haben wir den ganzen Abend gute Unterhaltung. 150 Darsteller wuseln herum, 30 Pferde – gestern vor der Premiere allerdings Verluste – ein Pferd und ein Falke sind verstorben. 4 Schiffe fahren im Jasmunder Bodden vor der Bühne auf und ab dazu jede Menge Spezialeffekte mit Feuer und Pyrotechnik.  Die Story ist  langatmig und wird zwischendurch mit Gesang aufgepeppt. Wie oft wird nach Klaus gerufen! Klaus Störtebeeeeeeeeker!

 

Wolfgang Lippert  „Lippi“  bekommt hier seine eigene Show in der Show! Als  einzelner Darsteller singt er mittendrin Lieder von Karat und den Puhdys. 

Irgendwie skurril – aber wer hätte das gedacht,  in der Arena  hören sich die Songs sogar  gut an. Kein Vergleich zu „Erna kommt“!

Aber was ist Störtebeker, wenn nebenan in Bergen auf Rügen die Rammstein-Coverband „Stahlzeit“ aufspielt und die Europameisterschaft beginnt!

Immer noch eine coole Veranstaltung und außerdem GT-Geschenk für Hendrik. Ich hatte mich sehr auf das Feuerwerk am Ende der Veranstaltung gefreut und wurde schwer enttäuscht. Feuerwerk gibt es bei der Generalprobe leider nicht. 

Das GT-Frühstück bei Karl dehnen wir so lange aus bis es regnet. Und nu?

Ab in den Zirkus nach Prosa – in den Bücherzirkus. Hier warten über 10000 Bücher auf uns, Restposten und Mängelexemplare von Roman, Sachbuch bis Bildband.

Aber kein einziger Bestseller ist zu finden! Hier landet der Schrott, der in der Pandemie geschrieben wurde, Bücher von sogenannten Schriftstellern, deren Namen man noch nie gehört hat, Ratgeber von Barbara Becker bis Ina Zarella. Eigentlich geht man aus keinem Buchladen ohne ein Buch, wenn man gerne liest, hier suchen wir schnell das Weite und landen nebenan im Glaspalast bei den Sandskulpturen, wo uns der Eintrittspreis abschreckt. Irgendwo haben wir das Gefühl, dem Urlauber wird alles angedreht, was geht. 

Abends in Prora nach dem Regen haben wir das herrlichste Wolkenpanorama s. o.

Mit dem Rad geht es nach reichhaltigem Frühstück – natürlich wieder bei Karl – und kostenloser Übernachtung von Sellin nach Göhren die Kalorien wieder abstrampeln. Der Radweg durch den Wald neben der Promenade ist hügelig und abwechslungsreich immer mit Strandblick. Zurück warten wir auf den nostalgischen „Rasenden Roland“, der heute noch die Badeorte auf Rügen verbindet. Schöne grüne Insel, leider bald wieder übervölkert, denn viele Feriengäste sind noch nicht da.

Usedom

12.4.-14.4.24

Anklam – der erste Angler steht schon morgens neben unserem Womo an der Peene. Es ist Heringszeit. Und wo finden wir jetzt die  Gaststätte, wo es  Hering satt gibt? So eine, wo die Heringe, die auf dem Teller landen nach der Grösse des Gastes bemessen werden? Gibt es das überhaupt noch?

Wir halten hinter der Brücke von  Karnin, der kleine Leuchtturm zieht uns magisch an und vielleicht gibt es hier so eine Gaststätte am Hafen. 

Hinter dem Leuchtturm ist ein Privatweg – Benutzung auf eigene Gefahr. Unten am Hafen liegen 4 Hausboote,  daneben eine Wiese, ein alter durchgerostete Wohnwagen wo schöne Aussicht draufsteht, ein  Stück Wiese weiter ein Pavillon und ein Boot steht direkt auf der Wiese,  das zu einer Ferienwohnung ausgebaut wird. Alles wirkt wie ein Sammelsurium von Immobilien zu  Land und zu Wasser.

Aus dem einzigen Womo auf der großen Wiese steigt plötzlich ein Mann aus, der sich als Pächter der Bucht ausgibt. Er lädt uns sofort zum Kaffee ein, weil  wir die ersten Gäste der Saison wären.  Ich stimme sofort zu. Wann waren wir denn schon mal irgendwo die Ersten? Der Pächter  zeigt uns zuerst ein Hausboot  von innen. Vermutet er in uns die potentielle Feriengäste? Hat er  nicht gesehen, dass wir mit dem Womo hier sind?   Das  schöne  Ambiente – klein aber fein – gefällt uns, mit unverbauter Aussicht auf die Bucht aber der Preis ist heiss.   Ich wäre nicht abgeneigt….Und schon sitzen wir plaudernd im Pavillon an einem Tisch, der eigentlich eine Holztür mit Glasplatte ist, zusammen  mit dem Assistenten des Pächters und einem seiner weiteren Mitarbeiter, dem  „faulen Paul“, der scheue Pirat, der keine Lust mehr hat so früh am Morgen Pirat zu sein. Er lädt lieber in sein Piratencafe gleichen Namens ein. Am Tisch arbeitet der  Assistent vor sich hin und der Pächter erzählt von seinen Geschäftsideen. Irgendwann schwant uns, das hier eins nicht zum anderen passt. Das sei eigentlich nur sein Nebenerwerb.  Die eigentlichen Geschäfte laufen in Rumänien.  Beim Hinterfragen von Preisen für die Hausboote bekommen wir einen Flyer, der nicht mal eine Internetadresse hat.  Da wir hier im Naturschutzgebiet sind, gibt es ein Abwasserproblem.  Das Landboot kommt lt. Pächter aus diesem Grund nicht mit seinem Ausbau voran. Wir geben noch ein paar Tipps was Womo-Fahrer sich so wünschen. Der Kaffee bleibt unbezahlt, das Hausboot ebenso, denn wir haben unsere kleine Wohnung ja immer dabei.  

Abends stehen wir an unserem Lieblingsstrand  in Kamminke eine Hand breit neben dem Haff, Meeresrauschen beim Einschlafen – was will man Meer!

Holy shit! Kein Gestank im Tank!

Am nächsten Morgen erfolgt die Einweihung der Trenntoilette.  Hendrik ist der erste Proband.  Der Toiletteneinsatz sitzt passgenau.  

davor

und danach – ne natürlich nich!

Wenn es keinerlei Entsorgungsmöglichkeiten mehr gibt,  in Griechenland nur noch blanker Felsen und kein Mülleimer weit und breit, dann tritt der Ernstfall ein. Dann ist die Trenntoilette dran.  Es  gibt sogar einen luftdichten Sammelbehälter. Was macht man nicht alles der Umwelt zuliebe! Wo die streunenden Hunde hinkacken, macht sich der deutsche Urlauber noch richtig eine Platte, da kommt der Flexaport zum Einsatz – schnell, einfach, flexibel und unabhängig. Genau wie wir!

Und weil das jemand genau wissen wollte, habe ich das jetzt einmal genau beschrieben. Bei Mehrbedarf kann ich noch den erhöhten Schwierigkeitsgrad und einer anderen Technik für Frauen erklären.

P.S. Wir haben unseren Hering gefunden!

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23.3. 24 Priegnitz, Bad Wilsnack

Zum Einstig in dieses WE gibt es Migräne.   

Nichts entspannt danach besser als ein Thermalbad. Die Kristalltherme Bad Wilsnack befindet sich in der Nähe der Plattenburg. 

Wir tanken wieder Energie auf und tun unserem Körper Gutes.  

Der Salzsee befindet sich unter eine Kuppel. Vergleichbar mit dem Tote-Meer- Effekt schwimmen wir an der Oberfläche, bekommen die Beine kaum unter Wasser. Über uns im Aussenbecken türmen sich die Wolken, die später als Platzregen auf die Kuppel knallen. 

Die eisen- und jodhaltige Wasserbecken habenTemperaturen bis 36 Grad und lösen Wohlgefühl aus. Über die Haut tun wir was für unserer Energiehaushalt, nehmen Mineralien auf und lassen uns von den Sprudeldüsen verwöhnen. 

Weiter als bis zur Plattenburg kommen wir nicht. Das bleibt unser Übernachtungsplatz an diesem Wochenende. Es ist  ein schöner Ort mitten in der Priegnitz, ruhig mit weitem Blick in die Landschaft.  

Die Plattenburg gibt es  seit dem 13.Jh.,  ein großer  Backsteinbau von Wasser umgeben. Sie wird hauptsächlich im Sommer belebt, wo sie für Mittelalterspiele genutzt wird.  

Die letzten Besitzer der Burg, Familie von Saldern, haben ihre Adelsgräber am Rande des Dorfes. Ihre Grabsteine sind große Findlinge.  

Ganz anders  am anderen Ende des Dorfes, hier gibt es einen Bestattungswald. Er ist öffentlich, dient der naturnahen Bestattung und ist gleichzeitig Erholungsort.

Auf samtweichen Mooswegen kommen wir  an Ahorn, Birke, Eiche u.a. vorbei, können gleich einmal  unsere Kenntnisse verschiedener Baumarten überprüfen. Die Bäume tragen kleine Namensschildern der Verstorbenen. Wer von den Adligen hätte gedacht, dass diese Art der Bestattung einmal möglich ist. 

Aber zurück in den Frühling, der die schönsten Wolken an den Himmel zaubert!  Beim Bauern scharren die Hühner im Garten, gackern, bewegen sich ruckartig hin und her  oder rennen aufgeregt vor dem Hahn weg. Total lustig wenn man sie mal länger beobachtet – die Zeit nehmen wir uns.   Nach dem letzten Wolkenbruch am Ende des Tages  stehen wir unter einem riesigen Regenbogen! 

P. S. Max – hinter der Burg befindet sich ein Forellenpuff.

In Rühstädt probiert der erste Storch die Nester aus, erste Reihe am Schloss gefällt es ihm am besten. Ansonsten ist noch  nicht viel los in Storchenhausen, also wird es nur ein kurzer Abstecher bevor es wieder nach Hause geht. 

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Wolfsburg

15.2. – 18.2.24

Kein Stau, maximale Beschleunigung, VW-Mitarbeiterin italienischer Herkunft 

auf dem  Beifahrersitz – das ist unser  Spontanerlebnis in der Autostadt Wolfsburg! 

Wir sitzen in einem VW ID. 3 und haben unsere erste Probefahrt. 

Abgeschottet und leise gleiten wir durch die  Straßen von Wolfsburg,  irgendwie entschleunigt. Die eigentlichen Straßengeräusche sind wie ausgeblendet, ein  wenig wie im Flugzeug.

Auf der Fahrt haben wir nicht wirklich viel von der Umgebung gesehen. Wir konzentrieren uns auf  das Cockpit und Display und die interessanten Informationen der freundlichen Mitfahrerin. 

Das ist kein Verkaufsgespräch und kostet uns nichts! 

Eigentlich hätten wir ja eine Tageskarte kaufen sollen, aber wahrscheinlich hatte sie auch Lust mal raus aus ihrem Büro zu kommen.  Sie  findet ihren Job total cool, verdient gut und lernt dabei immer nette Leute aus aller Welt kennen. 

1961 nach dem Mauerbau blieben die DDR-Arbeitskräfte weg und man hat die Italiener nach Wolfsburg geholt.

Die Autostadt  wurde im Jahr 2000 eröffnet. Es ist ein großer ultramoderner Freizeitpark mit  Pavillons und  zwei 48 Meter hohen Autotürmen. 

Und ja – wir steigen doch etwas angefixt  aus dem roten Flitzer. Da kommt man schon ins Grübeln, ob das nächste Auto nicht doch ein Elektro-Auto wird. 

Noch ein paar Gratisauskünfte zu Sehenswürdigkeiten der Stadt und wir hatten einen wirklich schönen Nachmittag!

Die Suche nach einem ruhigen Nachtschlafplatz in Wolfsburg gestaltet sich allerdings schwierig. Letztendlich stehen wir ganz unauffällig in einer Sackgasse neben einem Kindergarten. An einem Sonnabend wird ja wohl keine Mama ihr  Kind hier abgeben – selbst wenn sie es wollte.  

17..2 Gifhorn

Die Altstadt hat Fachwerkhäuser links und rechts der Fußgängerpassage.  Es gibt Verkaufsstände, mit frischem Brot, Gemüse oder Fisch. Menschen stehen zusammen in der Sonne und unterhalten sich, ein schön harmonisches Kleinstadtambiente mit ersten Frühlingsboten an den Blumenständen.  

Das alles  täuscht darüber hinweg, dass  Russland so nah ist! Der Glockenpalast steht für russisches Handwerk, dass sich hier ansiedeln sollte. Gorbatschow hat genau hier 1989 zum Mauerfall die Friedensglocke eingeweiht. Aber aus all dem  ist nichts geworden! Der Handwerkerpalast ist nun in Privatbesitz und wird ein Motorradmuseum. Aus Frieden wurde Krieg. Und die schöne russische Holzkirche auf einem Hügel ist nur noch ein Andenken an unsere Reisen nach Leningrad und Kiew. Sie steht inmitten eines internationalen Windmühlenparks mit historischen Bauernhäusern. 

Vor denen haben sich heute die Bauern versammelt. Wir bekommen sofort einen Becher selbstgemachte Yoghurt in die Hand gedrückt und dürfen uns  an einer Holzkuh mit Euter versuchen.  Grundsätzlich geht es hier um Genossenschaft und Kollektiv – das kennen wir doch noch?!

18.2. Schleuse

Zur Nacht stehen wir am Mittellandkanal an der Schleuse hinter dem Ort Allerbüttel. 7 Tage die Woche Tag und Nacht kommt ein Schubverband nach dem anderen. Wir brauchen den ganzen Vormittag bis wir mit dem Schleusen durch sind. Im nächsten Leben werden wir Binnenschiffer!

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26.1.- 20.1.24 Halle

An der Saale, der schnelle Fluss, der im Dezember Hochwasser anzeigte, finden wir einen Hauch von Frühling – die ersten Schneeglöckchen blühen.

Den Stadtgang beginnt und endet allerdings im Regen.

Nachdem wir unsere 10000 Schritte wortwörtlich überschritten haben, finden wir außerhalb von Halle einen ruhigen Parkplatz neben einer Golfanlage.

Morgens erwacht der Golfplatz zum Leben. Heute bei Sonne und 10 Grad tummeln sich die ersten sonnenhungrigen Golfer auf dem Platz. Als stille Beobachter aus dem Womo ist es unterhaltsam, wie sie sich in Position bringen, um den Ball abzuschlagen, während wir einen Kaffee nach dem anderen trinken. Sehr bezeichnend auch die typisch breitbeinige männliche Körperhaltung. Männer die ihre Golfwagen schieben,  sehen aus, wie alte Väter mit Kinderwagen im Teletappiland – es sind ausschließlich Männer auf dem Platz!

Was machen die Frauen in der Zeit? Die tummeln sich auf der anderen Seite des Parkplatzes. Hundeliebhaberinnen sind allesamt Frauen! Die haben sich eine gelbe Weste angezogen und bringen unter Anleitung eines Trainers  ihrem Fifi Schrittfolgen bei.  

Das eine wie das andere ist für uns keine Option. Wir steigen einfach mal aus  und genießen die Natur und die Sonne – ganz ohne Hilfsmittel! Neben dem Golfplatz befindet sich ein renaturierter See, in dem Baden verboten ist. Das kennen wir z. B. aus Leipzig. Da wird dann rundum ein Fahrradweg mit Freizeitpark draus, mit Fußballgolf, Minigolf usw.  

1001 NACHT Lichterwelten Bergzoo Halle

Mehr als 300 Figuren und 15.000 Lampen und ein 13 Meter hoher Palast!

Zum zweiten Mal begeistert uns der Farbenrausch über der Stadt – sogar der Mond scheint helle!

3.11.23 – 5.11.23

Rühstädt

Wir haben uns total verfranst! Was wir im Ausland souverän an Fahrtroute gemeistert haben, in Deutschland machen wir Umwege und müssen sogar noch einmal zurück auf die Anfang, weil wir die Ausfahrt verpasst haben.  

Zum Trost gönnen wir uns in Kyritz an der Knatter jeder ein fettes Teil vom Bäcker, Fred Butterrolle und ich einen Windbeutel mit extra viel Sahne. Das ist gleich die Stärkung für den Wald.

Unsere Challange heißt Pilzsuche. Meine Friseuse  hat mir die kleinen knuffigen Maronen auf ihrem Handy gezeigt, schon habe ich Pilzfieber. Inzwischen dürften die Pilze ein wenig größer geworden sein. Also haben wir uns für ein Pilzwocheende entschieden passend zum wunderschönen bunten Herbst.

 

Hinter Demerthin halten wir ganz spontan am Waldrand.

Man muss schon wissen, wie so ein Wald auszusehen hat, wo die kleinen Dinger stehen. Das sind inzwischen Erfahrungswerte und wir haben sofort die richtige Stelle getroffen. Kleine und grosse Maronen sind zwar  schwierig zu sehen in der beginnenden Dämmerung aber hier zahlreich zu finden. Schon nach einer halben Stunde haben wir unsere Pilzmahlzeit zusammen. 

Rühstädt wirkt wie ausgestorben. Der Parkplatz ist ohne Licht, kein Womo hat sich hierher verirrt. In der App steht, kein guter Empfang – nicht für uns  – für TV!  Kein Mensch auf der Strasse. Die Störche sind ausgeflogen. Die Gaststätte steht im Dämmerlicht. Skelette baumeln von Zäunen, Spinnweben überall? Ein paar hohle Augen glotzen aus orangen Köpfen –  ach ja Halloween, das war ja  diese Woche. Nur vor dem Schlosshotel stehen ein paar Autos. In diesem Ort kann sich der Städter in Ruhe vor dem Alltag verstecken!

4.11. 23

Abbendorf

Wir starten rechtzeitig in den Tag. Erfahrungsgemäß sind wir nicht die ersten Pilzsucher, obwohl es noch früher Vormittag ist.  Nachdem die ersten Maronen in unserem Korb verschwinden, steht ein Fahrrad mitten im Wald. Der Typ dazu will uns erst einmal erklären, wie man Pilze sucht und erreicht damit, dass wir selbst das weite suchen. Schön Abstand halten, wer weiss, wo der schon gegrast hat. Aber dieses Jahr gibt es Pilze für alle, wo man geht und steht, man muss aufpassen, nicht auf die kleinsten zu treten.  Bei der Pilzschwämme  gibt es eine neue Technik. Sobald man einen Pilz entdeckt, braucht man von dort aus nur noch im Umkreis zu suchen. Kleine und große Kappen, es ist eine Freude – ratzfatz sind unsere Körbe voll.

Am Waldrand schleicht eine Frau herum,  bückt sich nur ein paar Mal und  verschwindet wieder.  Da werden wir neugierig. Und Fred macht seinen größten Fund – ein Steinpilz! Das ist die Königsdisziplin, im dichten grasüberwucherten Boden diesen herrlichen Pilz zu entdecken. Die Stelle kannte die Frau garantiert. Und wir haben auf ihrem Hoheitsgebiet gewildert.  Dieses Stück Wald müssen wir uns merken! Wir finden mehrere Exemplare. Das gibt eine extra Pilzmahlzeit vom feinsten. Die Mittagspause verbringen wir am  Havelumfluter. Wir haben einen weiten Blick auf Elbe und Havel. Die Enten sammeln sich zum Abflug in den Süden, einige Kraniche sind unterwegs.

Nachmittags machen wir einen Abstecher nach Abbendorf zum Deichwirt. Früher konnten wir mit den Kindern auf dem Hof mit unserem Dethleff stehen. Es waren gute Zeiten als der Wirt mit der hohen Kochmütze noch lebte. Er hat alle Gäste höchstpersönlich mit Handschlag begrüßt und sogar an unserem Lagerfeuer gesessen.  

Der Hof und die Gaststätte sind inzwischen verwahrlost. Schon seit Jahren findet sich kein Betreiber mehr. Die Wiese vor dem Deich ist neuerdings als Womo-Platz ausgewiesen. Irgendein findiger Bauer hat die gepachtet und nimmt  5 Euro für die Nacht. Er hat die Zeichen der Zeit erkannt, denn der Tourismus mit den Womos nimmt immer mehr zu. Nichts für uns.

Wir finden unsere Plätze als Freisteher selbst! 

17.11.23 -19.11.23

Usedom

17.11.23

Richtung Nord oder Süd die Frage stellt sich nicht, das Wetter ist überall herbstlich kühl mit Regen. Wir entscheiden uns für den Norden. 

Vor Usedom  starten wir den letzten Versuch in diesem Jahr, Pilze zu sammeln, bevor es den ersten Frost gibt. Und tatsächlich haben wir noch einmal Sammelspass, gute Waldluft.

Es ist  noch Zeit der Kraniche. Bevor sie in den Süden fliegen, stärken sie sich auf den Feldern. Wir haben Glück, können am Feldrand stehen, wo die Kraniche ziemlich nah sind, hin- und herstolzieren, um die Erntereste abzugrasen.  Aus dem Auto auszusteigen, würde die scheuen Vögel stören. Sie würden sofort auffliegen. Fred ist ganz in seinem Element, macht die ersten Bilder  im Auto. Am Ende steigt er doch aus, damit er noch ein paar fliegende Kraniche in den Kasten bekommt, die aufgeschreckt lärmend an uns vorbeiziehen.  

So wie viele den Lieblingsitaliener um die Ecke haben, haben wir „Karl“ für uns entdeckt. Hier kann man sich einen bunten Teller zusammenstellen, denn der Preis geht nach Gewicht. Da kann also schon mal das Schnitzel mit Sauerkraut und Rotkohl vielleicht sogar noch ein Kloss dazu auf dem Teller landen. Bunte Mischung, worauf du gerade Appetit hast. Man kann nichts verkehrt machen, alles ist total lecker. 

P.S. Nach der Entenkeule als Hauptgericht gibt es noch Kaffee bodenlos. Den können wir uns immer wieder nachschenken bis die Pinonierblase streikt. Aber das allerfeinste ist der Kuchen – Erdbeer-, Käse,- Apfel – eine richtige Geschmacksexplosion. Dazwischen Einkauf alles rund und die Erdbeere und vieles „Meer“, denn das meiste hat maritimen Touch. Keiner kommt hier ohne eine Einkaufstüte und um einige Euroscheine erleichtert wieder raus!  

Die Kalorien arbeiten wir am Kinderstrand im Seebad Kölpinsee  ab. Die Rehaklinik ist für Kinder mit und ohne Begleitung gedacht. Der Bedarf ist gross, denn  jedes Mal wenn wir hier sind, ist auch eine Schaar Kinder mit Müttern am Strand. Wobei an den Vorsorgemaßnahmen natürlich auch erschöpfte Väter teilnehmen können. Alle erhalten Tipps für mehr Lebensfreude und Abstand von Alltag- und Beruf. Unser Tipp wäre ein Womo. Aber bloss nicht, seit der Pandemie gibt es davon viel zu viel.

Auf Usedom wird gern illuminiert. Im letzten Jahr waren es Buchstaben, die auf der ganzen Insel verteilt insgesamt den Namen der Insel ergaben. Heute Abend ist es ein herziges Schwanenpaar – ist das Kunst?

2.12.23

Dresden Weihnachtsmarkttour

In Berlin liegt der Schnee über die Woche schon mehrere Zentimeter. Noch sind die Felder verschneit aber  

desto weiter wir nach Dresden kommen, desto weniger Schnee gibt es – in der Stadt haben nur noch einige Dächer weiße Mützen. 

Schmerzgrenze im Womo sind Minus 10 Grad. Das Klo war schon in Berlin eingefroren bei Minus 7 Grad die Nacht, inzwischen aufgetaut. In Dresden haben wir moderate Temperaturen um 0 Grad. Die Heizung läuft auf vollen Touren und es ist wie immer muggelig warm hier drinnen. 

Nach der Fahrt wollen wir uns am späten Nachmittag nur ein wenig die Beine vertreten. In der Dunkelheit laufen wir am Ufer der Elbe entlang. Die Lichter der Altstadt ziehen uns aber magisch an mit Blick auf die Augustusbrücke, an deren Ende sich ein überdimensionales  Mandala in den schillernsten Farben dreht.  Aus der Nähe wird ein Riesenrad daraus. 

Schon bald stehen wir am Theaterplatz, wo heute noch gegen Impfen demonstriert wird. Ist die Zeit hier stehen geblieben?

Wenn wir jetzt schon so weit gekommen sind, wollen wir auch unsere erste Bratwurst an diesem Weihnachtsmarkt-WE. Der Striezelmarkt ist mit einem Betonwall gesichert. Vor 20 Jahren, als wir frisch in das  Womoleben eingestiegen sind und  das  allererste Weihnachmarkt-WE  im Womobil verbracht haben, waren wir beim Stollenanschnitt dabei.   Die riesige Stolle passte damals auf einen Pferdewagen und wog 3,5 Tonnen. Sie wurde vom Stollenmädchen und Bäckermeister angeschnitten.  Striezel heißt nämlich Stollen. Das Wesen des Stollen ist – guter Stollen flüstert, die Rosinen liegen  eng beieinander. Liegen die Rosinen  weiter auseinander ist es – na? Ein  Schreistollen. Heute ist der Striezelstollen nur noch  ein schmales Teil –  überall wird gespart.  Die Menschenmengen sind noch immer dieselben. Die Masse schiebt uns über den Markt, bis wir in einer Nebengasse den Gerüchen folgend endlich die  heissbegehrte Bratwurst auf dem Grill entdecken. Für ein Abendbrot ganz schön teuer. Zum Nachtisch gibt es ganz klassisch gebrannte Mandeln, die in der Manteltasche nebenbei die Hände wärmen. 

3.12.

Die Nacht haben wir am Sportpark Ostra verbracht. Beim morgendlichen Spaziergang sehen wir uns die Eishalle an. Hier wird fleißig trainiert, schon 5jährige flitzen hier wie die Profis über das Eis. 

Unsere Weihnachtstour geht weiter. Mittags laufen wir am anderen Ende der Augustusbrücke zum Goldenen Reiter. Wir sehen das Riesenrad ganz nah und dahinter den  Augustusmarkt mit internationaler Küche. Wir futtern uns durch Bratwurstsorten, Langos und Handbrot. die Verkäufer sind nett und reichen  gebrannte Nüsse zum Verkosten.  Aber das ist noch nicht alles an kulinarischen Genüsse. Da gibt es ja noch das  Café Dreizig! Eierschecke wird heute unser kulinarischer Höhepunkt.

Über das blaue Wunder fahren wir an den schönen Villen am Weissen Hirsch vorbei und befinden uns damit in der Gegend, die von Tellkamp im „Turm“ beschrieben wurde. 

Christmans Garden gibt es an mehreren Standorten in Deutschland, auch im Ausland z. B. in London Paris und Rom. Dazu werden Parks und Zoos genutzt. Isi war im Tierpark Berlin, wir kennen den Botanischen Garten und besuchen nun den Dresdner Christimans Garden im Schloss Pillnitz. Klanglandschaften nennt man das, wenn kleine Schiffchen im Takt der Musik auf einem zugefrorenen Teich, dem See der Träume,  ihre Farben ändern. Es bleibt aber kaum einer stehen, die Masse schiebt sich wie zu einer Demonstration durch die schmalen abgesperrten Wege. Immer mal ein Stau an einem Fotopoint, dann weiter zur nächsten Wiese mit glitzernden Nachtfaltern, Schneeball- oder Sternillumination, Elfenreigen und Lichtperlen vorbei, auf den Wegen winterlicher Blütenzauber. Herr Würfler lässt grüssen. 

2 Kilometer sind recht sportlich. Das ist heute auch nötig nach der Futterorgie am Mittag. Wir sehen einen sprechenden Baum, einen Elfenpark und  endlich am Ausgang Bänke zum Sitzen.  Mit Glühwein und Feuerschaale beenden wir unseren Rundgang und sind – nun ja nicht so ganz in  den Zauber der glitzernden Winterwelt abgetaucht. Es war ein wenig sparsam im Gegensatz  zu den viele Leuten. Die Eintrittskarten konnten nur online gebucht werden. Wir begeben uns also vorab in die nervige  Digiwelt, um anschließend in der glitzernden Weihnachtswelt wieder entschleunigt zu werden.  

Bisher hat uns nur ein Event dieser Art fasziniert – der Bergzoo in Halle. Hier werden kunstvolle Lichtfiguren, die von chinesischen Laternenkünstlern extra dafür gefertigt werden, noch bis Februar zu sehen sein. Wir sind dabei!

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