27.12.23 -06.01.24 (4.1.24)
Das Ferienhaus
Mit einem Abstecher nach Hamburg mit Frühstück sind wir um 13:30 Uhr in Puttgarden an der Fähre nach Rodby. Wir haben so ein Glück – es ist der einzige Tag ohne Wind in dieser Woche. Die Überfahrt ist geschmeidig, das Wasser fast spiegelglatt. Nach Ankunft im Hafen sind es noch 150 Km bis zum Zielort. Auf der Autobahn fährt man in Dänemark moderate 120 km/h. Es gibt keine absurden Überholmanöver, der Verkehr fließt. In der Dämmerung kommen wir am Ferienhaus an. Den Code haben wir nach kurzer Zeit geknackt. Dann stehen wir in einem unbekannten Haus – ohne Licht!
Das ist eine echte Herausforderung, denn wir tappen wirklich im Dunkeln. Irgendwo muss doch ein Sicherungskasten sein. Wir vermuten ihn eigentlich im Wohnzimmer – nichts. Zentral im Bad auch nicht. Wie Einbrecher laufen wir mit der Handylampe durch das Haus. Wir finden auch keinen Hinweis vom Besitzer. Die zwei kleinen Zimmer durchleuchten wir flüchtig – hier kann er doch nicht sein! Wir gehen vor das Haus, zerlegen fast einen Kasten, wo wir ihn vermuten. Kurz bevor wir Novasol anrufen, gehen wir noch einmal in die Tiefenprüfung. Im Schlafzimmer oben in der hintersten Ecke finden wir ihn dann endlich. Wir haben das Rätsel gelöst.
So ein Abenteuer nennt man eigentlich Escape Room, manche Menschen setzen sich dem Nervenkitzel absichtlich aus, uns hat es fast eine Stunde Zeit gekostet.
Und dann stehen wir in einem Sommerhaus mit Heizung. Die Hälfte des Hauses besteht aus einem großen Wintergarten. Aber was sollen wir mit diesem zusätzlichen Wohnraum ohne Heizung bzw. Wärmedämmung? Was nützt da der super Ausblick auf einen kleinen See? Es bringt nichts – im Winter zu kalt im Sommer zu warm.
Auch das Haus scheint nicht richtig isoliert zu sein. War hier überhaupt schon mal jemand im Winter?
ALLES ist hier wie in jedem Ferienhaus erst einmal ungewohnt. Dieses Haus ist allerdings gewöhnungsbedürftig. Vom Tisch habe ich als erstes die Wachstuchdecke entfernt, Stoffi rauf. Habe ich in der untersten Schublade des Hausherren doch noch eine Tischdecke gefunden!
Die Küchenzeile ist nicht viel größer als zu Hause – allerdings häufen sich hier in den vielen Schubladen Dinge, die die Welt nicht braucht. Küchenutensilien, die seit 1970 gesammelt wurden, als dieses Haus entstand. Einzig die Tassen stehen griffbereit, die Teller müssen wir suchen. Gehört ein Geschirrspüler mittlerweile nicht auch zur Grundausstattung eines Ferienhauses?
Die Mülltrennung läuft Dänemark auf vollen Touren – 3 Mülleimer, 3 Tonnen vor der Tür. Da kann man schon mal durcheinanderkommen.
Wir werden es uns schon gemütlich machen. Bedingung für ein Ferienhaus im Winter war der Kamin. Das Haus wird schnell muggelig warm. Allerdings will der Hausherr für zwei kleine Säcke Holz 15 Euro haben. Das mischen wir dann mit dem Holz vor der Hütten, das da nur so herumliegt sogar Birkenholz!
Die letzten Gäste haben das Netzkabel vom Fernseher geklaut. Der Besitzer hat für uns einen neuen Fernseher besorgt. Mit unserem Fire TV-Stick können wir Streamen wie zu Hause. Die TV- Ecke mit Kamin und Ausblick strahlt schon mal die Gemütlichkeit aus, die wir uns wünschen.
Einige Änderungen müssen wir in diesem Haus noch vornehmen z. B. im Bad. Dazu später mehr. Ich glaube der Besitzer wird sein Domizil am Ende unseres Urlaubs nicht wieder erkennen. Bis dahin haben wir wahrscheinlich alles umgestellt, funktional eingerichtet und neu dekoriert. Vielleicht gefällt es ihm sogar?
28.12. Der Geburtstag
Es ist stockdunkel um 07:00 Uhr. Nur der Mond scheint helle.
Es gibt keine Vorhänge. Die anderen Häuser stehen weit entfernt, ein komisches Gefühl, wenn man nicht weiss, was da draussen vor sich geht. Isi hat dazu das passende Buch geschenkt „Das Ferienhaus“.
Eine Familie, ein abgelegtes Haus und kein Entkommen!
Die Lichtschalter sind ein regelrechtes Lichtspiel. Nur durch viel Ausprobieren, weiss man irgendwann welcher Lichtschalter zu welcher Lampe passt. Die elektrischen Leitungen sind völlig überaltert aber wenigstens funktionieren sie.
Nachdem ich endlich alle Lichter angeknipst habe, entdecke ich meinen Geburtstagstisch. Tatsächlich – habe ich doch 59 Jahre geschafft!

Vom Flur plumpse ich direkt ins Klo – Vorsicht Stufe, besonders bei Dunkelheit. Aber Abhilfe gibt es sofort. Zum 59. GT habe ich meine erste eigene Taschenlampe geschenkt bekommen! Jetzt müssen wir uns nur noch um den Ausgleich der Stufe zum Klo kümmern. Zunächst legen wir die überflüssigen Decken aus dem Wintergarten aus. Vielleicht fällt uns noch etwas besseres ein. Der Knaller ist die Dusche. Dazu später mehr.
Erst mal Geschenke auspacken! Das macht richtig Spass, viele kleine Katzen um mich herum, aus Stein, als Kissen oder Kosmetiktasche. Lecker finnische Lackritze und zur Unterhaltung Puzzle, sogar eins aus kleinen Steinchen. Dazu tolle Weltreisebücher in Vorbereitung auf das Sabbatical. Ich freu mich und setze mich gleich an das erste Puzzle. Vielen Dank an alle!
Heute ist es stürmisch mit Regen. Trotzdem wollen wir schauen, in welcher Umgebung wir gelandet sind. Der Strand ist 5 Minuten entfernt, weitläufig, Sand, Dünen und viele interessante Steine. Nachmittags wollen wir zu den Klippen fahren aber Sturm und Regen halten uns davon ab.
Machen wir es uns eben am Kamin mit Kaffee und Eierlikör in der Chillecke gemütlich! Wir leben jetzt hygge wie die Dänen, d.h. sich nur auf die schönen Dinge konzentrieren an einem Ort, wo man sich (irgendwann) wohlfühlt. Man kann es auch Urlaub nennen.
Der einzige Makel ist – das Häuschen wird von der Ausstattung dem Preis nicht gerecht. Ohne das wir etwas richtig vermissen würden, aber der 70iger- Jahre- Charme ist lange vorbei!
29.12.23 Caspar David Friedrich lässt grüßen.
Das Haus lässt uns nicht los! Wieder nur Regen und Sturm. Nachmittags beruhigt sich das Wetter ein wenig. Endlich können wir zu den Klippen fahren.
Es gibt ein Wiedersehen mit dem Zeltplatz, wo wir das erste Mal mit Womo-Dethleff im Frühjahr 2005 die Insel eroberten. Schon damals waren wir begeistert von den vielen eiszeitlichen Pfunden, sodass wir diese Kurzurlaube im April 2006 und im Herbst 2007 wiederholten. Neben vielen Donnerkeilen fanden wir Schalen von Dickmuscheln, Stacheln von Kronenseeigeln, Korallen und versteinerte Seeigel.
2007 hatte es dann einen riesigen Erdrutsch gegeben. Die Küste wurde für den Besucherverkehr gesperrt. Der Abbruch am Store Taler ragte weit ins Meer hinein. Das Wasser war durch die Kreide weithin milchiggrün gefärbt. Bäume lagen entwurzelt im Wasser. Am Strand hatten sich kleine türkise Seen gebildet. Es war gleichzeitig überwältigend, erschreckend und enttäuschend, was die Natur da angerichtet hatte. Dieses schöne Stück Kreidefelsen gab es nun nicht mehr, stattdessen eine Mondlandschaft. Das Abbruchgeröll hatte sich fast 300 Meter ins Meer geschoben und eine weiße Halbinsel gebildet, die von den Wellen nach und nach wieder abgetragen wurde. Der Zugang zum Meer war gesperrt wegen Abbruchgefahr. Wir durften die Treppen nicht mehr betreten. Aber darüber setzten wir uns damals hinweg, wohl noch der jugendliche Leichtsinn. Wozu sind wir denn hergekommen! Schon als wir den ersten Fuß an den Strand setzten, wurden wir reichlich belohnt – überall Donnerkeile – kleine und große mit unversehrte Spitzen.
Mit Respekt schauten wir doch ab und zu zu den Klippen – wann kommt der nächste Erdrutsch? Aber wir waren so eifrig beim Suchen und Sammeln, das wir das schnell wieder vergassen. Das Jagdfieber hatte uns gepackt.
Im Frühjahr 2010 waren wir wieder auf Mon. Das Geocenter war fertig gebaut. Die Treppen zum Strand hatten wir schon fast vergessen. Abends hatten wir schwere Beine aber die Ausbeute war reichlich vom ersten Tag an, weil wir inzwischen erfahrene Sammler waren.
Eine letzte gemeinsam Tour starteten wir im September 2013 mit dem neuen Wohnmobil und einem geliehenen Zwei-Mann-Zelt.
Noch wollten die Kinder das chillige Zusammensein wo sie bekocht und bespasst wurden.
Vereinzelt ragten noch ein paar Äste vom Abbruch 2007 aus dem Wasser. Wir mussten über Kreidefelsen klettern, bis wir an Stellen kamen, wo wir die spektakulärsten Fossilien fanden. In der Mittagspause hieß es – Funde zeigen, wer hatte die tollsten! Es sind die Seeigel die uns am meisten faszinierten, Korallen, kleine runde Schwämmchen und Klappersteine kamen dazu. Donnerkeile sammelten wir nur noch ab einer bestimmten Größe, Isi hatte sich ausschließlich auf die Spitzen
spezialisiert.
Noch heute kann ich mich an die Schönheit dieser Gegend erinnern. Diese durften wir fast alleine genießen – kein Mensch weit und breit nur vereinzelt einheimische Angler. Wenn sich am Nachmittag der Nebel verzogen hatte und die Sonne ein paar wärmende Strahlen schickte, kam es uns vor, als sei die Welt hier zu Ende und wir die letzten Menschen auf den Spuren millionenalter versteinerter Lebewesen!
Die Erinnerung bleibt. Wir schreiben das Jahr 2023! 10 Jahre sind vergangen. Alles hat sich verändert. Der Anmarsch durch den Wald zu den Klippen ist ein mühsames Auf und Ab. Am Geocenter stehen wir endlich an der Treppe zum Meer. Abgesperrt – zugenagelt – mehrsprachige Warnungen. Kein Zutritt! Der letzte Abbruch war im Frühjahr 2023 und die Winterstürme beginnen erst. Wir können den Strand nur von oben sehen. Ich hätte es wissen müssen!

30./31.12. Die ersten Pfunde
Wir müssen uns nicht nur das Haus sondern auch die Gegend ganz anders als erwartet erschließen.
Nachdem wir uns in Steege mit leckeren frittierten Fisch-Köttbullar gestärkt haben, ändern wir unsere Taktik. Wir werden uns seitlich an die Pfundstellen – ja ich weiss – an die Funde heranpirschen.
Dazu fahren wir zunächst zum Leuchtturm. Hier gibt es bereits einen ausgetretenen Wanderweg, der zum Meer hinunterführt. Mit der üblichen Warnung vor Steinschlag betreten wir auf eigenes Risiko den Strand. Aber wenigstens ist nicht abgesperrt. Vor uns laufen schon drei Touris, denen wir einfach folgen.
Die Jagd beginnt! Wir überholen sie am Strand, während sie schon den ersten Steinhaufen durchforsten. Direkt unter den steilen Klippen, da wo es erst interessant wird, weil die Kreide gerade abgebrochen ist, klatschen die Wellen gegen die Felsen. Wir haben alle nur ein begrenztes Terrain für die Suche. Wir wissen nicht, auf was die anderen spezialisiert sind, vielleicht ist es nur Bernstein.
Etwas spektakuläres entdecken wir heute nicht, nur einige kleinere Versteinerungen. Die richtig tollen Fossilien warten noch auf uns. Wir müssen nur die richtige Stelle finden!

Mittlerweile haben wir uns an unser Holzhaus gewöhnt.
Die Chillecke am Kamin ist saugemütlich und am meisten von uns frequentiert. Das Haus ist gross genug, sodass wir beide ein separates Plätzchen zum Computern haben. Ich habe sogar eine Puzzleecke.
Der Fotoapparat mit Objektiv ist stets einsatzbereit auf den kleinen See gerichtet. Allerdings sind wenig Vögel zu sehen.
Das zweite Schlafzimmer nutzen wir als Abstellraum.
An der Stelle das ausstehende Badebild:

Der Abfluss befindet sich unter dem Schränkchen rechts – und man glaubt es nicht es funktioniert!
So ein Holzhaus ist noch lange nicht winterfest, nur weil es einen Kamin hat. Wir haben uns langsam eingewöhnt, nutzen alle Holzvorräte reichlich. Es ist immer noch das freistehende ungeschützte Eckgrundstück. Wenn der Wind darauf steht, zieht es gewaltig um die Hütte. Derzeit ist es aber fast windstill.
Inzwischen haben wir das Haus mit Holz gefüttert, muggelig warmgewohnt und fühlen uns beinahe hyggelig hier drinnen. Und es ist etwas besonderes – es ist unser erstes Haus, das wir nur zu zweit bewohnen! Es ist so einsam hier, dass wir nicht einmal merken, dass schon Silvester ist.
4.1.24 Haus am See
Der Kanal ist voll im wahrsten Sinne des Wortes!
Über Nacht sind wir von Wasser umzingelt. Der kleine Fluss unweit des Hauses hat durch den ständigen Regen und Schnee die Wiesen um unser Haus herum überflutet und steigt an der Häuserwand immer weiter.
Wir rufen bei Novasol an – Gefahr im Verzug – und das Wasser steigt und steigt. Wir können es an den kleinen Inseln erkennen, die langsam im Wasser verschwinden einschließlich der Sitzgruppe um die Feuerschaale.
Der Wind schiebt das Wasser nach allen Seiten um das Haus herum.

Wer könnte hier noch eine weitere schlaflose Nacht verbringen?
Schon jetzt müssen wir uns Sorgen machen, ob wir überhaupt wegkommen. Die Zufahrtsstrasse stand schon vor Tagen unter Wasser.

Wir haben das Gefühl, alle sind nach Silvester abgereist, das letzte Auto heue Morgen. Wir sind hier die letzen Feriengäste in einer unbewohnten Sommerferienhaussiedlung. Wer soll uns da helfen, wenn die Strassen überflutet sind. So ungern wir jetzt wegfahren, schließlich haben wir uns viel Mühe gegeben, das Haus bewohnbar zu machen. Aber jetzt ist Gefahr im Verzug! Wir reisen vorzeitig ab.

Novasol setzen wir telefonisch über unsere Abreise in Kenntnis und anschließend auch noch schriftlich:
Hiermit zeigen wir die Mängel am o. g. Objekt an und bitten um Kostenrückerstattung.
Das o. g. Objekt ist ein freistehendes ungeschütztes Eckgrundstück vor einem Feld unweit eines kleinen Flusses.
Da es ein Eckgrundstück ist, steht die meiste Zeit der Wind darauf, sodass ständig geheizt werden musste.
Das Wohnzimmer verfügt nur über zwei kleine Heizkörper, die auf Höchstleistung laufen müssen, damit sich Wärme im Raum hält.
Nur durch das zusätzliche Heizen des Kamins haben wir im Wohnzimmer eine einigermaßen behagliche Temperatur erreicht.
Es handelt sich hier eindeutig nicht um ein winterfestes Ferienhaus. Wir befanden uns in einer unbewohnten Ferienhaussiedlung mit ähnlichen Holzsommerhäusern als einzige Ferienhausgäste.
Nur weil das Haus einen Kamin hat, kann es nicht als winterfest vermietet werden. Wir hatten erst nach 3-4 Tagen eine moderate Wärme erreicht, denn das Haus ist kaum isoliert. Der Wintergarten ist nicht benutzbar, da weder isoliert noch beheizbar.
Kommentare waren auf der Hausanbieterseite vorab nicht einsehbar, aber auch hier wurde schon auf zahlreiche Mängel hingewiesen.
Wir mussten das Haus vorzeitig verlassen, da das Wasser durch Wind und Regen in der Nacht vom 3.-4.1.24 in das Eckgrundstück lief und das Wasser immer mehr von allen Seiten bis an die Hauswände stieg.
Die Zufahrtsstraße war 5 Meter vor dem Grundstück bereits vom Wasser überflutet. Den steten Wasseranstieg konnten wir am Morgen des 4.1. weiter beobachten, sodass wir uns gegen 12:00 Uhr entschieden, das Haus zu verlassen, ehe wir noch selbst Schaden nehmen. Das Wasser drücke bereits in den Sanitärräumen nach oben, die Toilette war nicht mehr benutzbar.
Wir gehen davon aus, dass bei Witterungsverhältnissen im Winter mit Regen und Schnee nicht das erste Mal das Haus vom Wasser umflutet wurde. Es ist während des Winters nicht sicher bewohnbar und hätte für diesen Zeitraum nicht vermietet werden dürfen.
Durch diese Umstände mussten wir unsere Fähre umbuchen, ein Hotel in Lübeck zur Nacht nehmen, da es für die Weiterfahrt nach Berlin bereits zu spät war. Die Kosten für Heizung und Feuerholz für den Kamin werden wir nicht übernehmen, da es sich um kein winterfestes Objekt handelt…..
Alles läuft auf adäquate Kostenrückerstattung hin. Wir sind gespannt, wann Novasol antwortet
Unser Urlaub ist ja nicht vorbei. Die Fähre bringt uns bei ruhiger See nach Fehmarn zurück. Wir verbringen den Abend und nächsten Vormittag in Lübeck. Wer weiss, wann wir hier wieder einmal vorbeikommen. Ein Besuch lohnt sich schon wegen der Prinz-Heinrich-Marzipantorte!
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